Hier krabbelts - Die Website über Käfer und Insekten

 
cameroon parcel

   MURPHY lebt! Und sein Gesetz hat wieder mal Leben gefordert:
   bei einer Käfersendung im April 2008 aus Kamerun sind eine Menge lebender Rosenkäfer elendig verreckt –
   eine Verkettung von Fehlleistungen, Ignoranz und Bürokratismus.

 

cameroon_parcel
Nach nervtötender Abwicklungsprozedur ist das Päckchen endlich eingetroffen. Den Aufkleber habe ich als Souvenir behalten.
 
cameroon parcel
Die Verpackung war eine luftdichte Styroporschachtel. Oben drauf lag der "Lieferschein" mit Inhaltsangabe, für Blinde zusätzlich noch mit Kugelschreiber ins Styropor gekratzt. Trotzdem musste ich eine Artenliste mit lateinischen Namen besorgen.
 
ups tracker
UPS Sendungsverfolgung im Internet:
03.04. 2008: Sendung in Douala, Kamerun von UPS erfasst.
08.04.: UPS wartet immer noch auf meinen Anruf, obwohl ich schon mehrmals telefonischen Kontakt hatte.
10.04.: das Päckchen ist immer noch nicht freigegeben. Es liegt noch beim Amts-Veterinär.
11.04.: Jetzt lag das Päckchen immerhin schon im Zollamt München-Garching. Leider war die Anschrift unvollständig, ich musste mich noch mal melden.
 
cam_certificates
Wichtige Zertifikate mit noch wichtigeren Unterschriften und Stempeln: dummerweise ist das Zertifikat eine Bestätigung darüber, dass die exportierten Pflanzen keine ansteckenden Krankheiten haben... Die Deklarierung als "SAMPLES OF BETTLES" ist eine falsche Angabe und überdies noch nicht mal richtig geschrieben. Da wird der Zoll hellhörig.
 
cmaroon_xxl
Ausdruck von der Homepage von Daniel Kunte (coleoptera xxl). Ich kann es verstehen, dass man nicht jeden lateinischen Artnamen sofort zuordnen kann – aber man hätte ja auch fragen können. Ich habe oft genug mit dem Zoll telefoniert.
 
cameroon_document
Wenn sonst auch nicht viel geht bei den Behörden – Dokumente werden jedenfalls auf dem Laufenden gehalten. Anfangs waren es noch „1 Colli Rosenkäfer, lebend", das wurde dann sachlich korrekt geändert in „1 Kolli tote Rosenkäfer".
 
cam_harrisi
Es war mir eigentlich klar, was mich beim Öffnen des Päckchens erwartet. Dennoch: welcher Käferliebhaber könnte bei einem solchen Anblick nicht einfach nur kotzen?
 
cam_leichen
Wie der Amts-Veterinär völlig richtig bemerkte: "Tierschutz ist eine Geisteshaltung und ein Luxus, der vom Reichtum abhängt. In den Augen der armen Afrikaner sind Käfer nur eine Handelsware, die verkauft wird, um das Überleben zu sichern. Wen interessiert da, ob ein paar Insekten in einem Päckchen verreckt sind?“
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

1. Fehler
Bei den Verhandlungen mit meinem Kontaktmann, wo inzwischen fast schon eine Art Vertrauen herrscht, akzeptierte ich, dass diesmal ein Ersatz-Fänger beauftragt wurde. Der Fänger, mit dem es die letzten Male so recht und schlecht mit den Lieferungen geklappt hatte, war wohl inzwischen zu faul geworden, um sich selber in den Dschungel zu quälen. Ich bin davon ausgegangen, dass er seinen Ersatzmann in die „Geheimnisse des Käferversands“ einweiht.

 

2. Fehler:
Nachdem das vorige Päckchen (1.000 Euro) angeblich in Kapstadt / Südafrika auf "mysteriöse Weise" verloren ging, niemand dafür verantwortlich war und niemand zur Rechenschaft gezogen werden konnte, musste ich noch mal 600 Euro nachlegen, denn die Jungs hatten wahrscheinlich die Kohle vom ersten Päckchen schon versoffen. Die Nachricht, dass die Käfer versandbereit waren bzw. das Päckchen schon seit Tagen rum liegt und nur noch verschickt werden muss (und dazu nur noch „die paar Euro“ von mir fehlten), hat mich etwas überrumpelt. Ich und bin zu Western Union geeilt und habe bezahlt.

 

3.Fehler:
Ich wollte diesmal ausdrücklich keine "Kamerun-Standard-Arten" haben, wie sie jedes Mal angeboten und geschickt werden – auch wenn man andere Arten bestellt hat. Ich wollte diesmal also KEINE Chelorrhina savagei, keine Chelorrhina polyphemus, keine Megalorrhina harrisi, keine Eudicella woermanni  und auch keine Stephanocrates preussi. Wir haben uns auf eine Sendung geeinigt, die aus "Mixed small cetonidae" bestehen sollte. Ein Überraschungs-päckchen sozusagen. Er konnte oder wollte mir nicht sagen, welche Arten im Päckchen waren. Und wenn der Fänger die Namen der Käfer nicht kennt, so dachte ich mir – naiv und  bescheuert wie ich bin – dass es diesmal ungewöhnliche Arten sind, mit etwas Glück vielleicht sogar Cyprolais. Was jedenfalls im Päckchen war – und was er nur zögerlich raus rückte – waren Stephanocrates preussi. Diese Art wollte ich nicht unbedingt haben, denn die Zucht hat letztes Mal nicht geklappt und der Versand war auch damals ein großes Drama. Aber auf den Rest im Päckchen war ich wirklich gespannt.

 

4. Fehler:
Das Päckchen war unterwegs. Es wurde als "Beetles Samples" deklariert, denn wenn der Inhalt wahrheitsgemäß als "lebende Käfer" angegeben worden wäre, so hätte UPS in Douala/Kamerun die Sendung überhaupt nicht angenommen. Nun ja, so ganz falsch war die Zollerklärung nun auch wieder nicht, wie sich eine Woche später herausstellen sollte... aber das konnte ich ja bis zu dem Zeitpunkt noch nicht wissen.

 

5. Fehler:
Als Lieferanschrift galt meine Büroadresse. Das mache ich immer so, denn somit bin ich in der Lage, möglichst schnell einzugreifen, wenn (wie fast immer) Fragen oder Probleme mit dem Zoll auftreten. Anscheinend hat aber unser Firmenname dem Versender nicht gefallen – er hat ihn einfach weg gelassen. Als Telefonnummer hat er die Faxnummer auf den Lieferschein geschrieben, damit auch ganz sicher war, dass mich niemand von UPS oder vom Zoll erreichen konnte.

 

6. Fehler:
Nach einigen Tagen wurde ich ungeduldig und fragte nach der Sendungskontrollnummer, um einschreiten zu können. Erst nach mehrmaligem Anfragen beim Fänger rückte er mit der Nummer raus – die Sendungsverfolgung im Internet zeigte, dass das Päckchen 3 Tage später als versprochen abgeschickt wurde und von UPS schon seit mehreren Tagen eine Aufforderung vorlag, mich mit ihnen in Verbindung zu setzen. Nach vielen Telefonaten mit dem Servicecenter wurde ich endlich an eine Stelle verbunden, die eine Korrektur meiner Adressdaten vornehmen konnte. Jetzt dachte ich, dass alles gelaufen sei und mein Päckchen weitergeleitet wird.

 

7. Fehler:
Am nächsten Tag bekam ich dann einen Anruf vom Zoll. Und solche Anrufe bedeuten in der Regel Ärger. Das Päckchen ist geöffnet worden, und ich musste bestätigen, dass ich auf lebende Käfer warte. Dann folgte die Belehrung: "Das ist verboten... und da wird der Amtstierarzt einschreiten.... und das Päckchen ist falsch deklariert... und das kostet Strafzoll... und laut Statuten von UPS ist der Transport von lebenden Tieren generell verboten... und das Päckchen wird vorläufig beschlagnahmt. Und, und, und..."  Diese Paragraphen- und Korinthen-Kackerei provozierte einen böser Fehler meinerseits: mir ist der Kamm geschwollen und der Kragen geplatzt – ich habe den Zollbeamten deftig angeschnauzt. Heute kann ich von Glück sagen, dass ich keine Anzeige wegen Beleidigung einer Amtsperson bekommen habe. Auf jeden Fall hat dieses Telefonat die sowieso schon lahme Bearbeitung des Vorgangs noch mal wesentlich verlangsamt.

 

8.Fehler:
Nächster Anruf vom Zoll:  ich soll dringend mit dem Tierarzt Kontakt aufnehmen. Das Päckchen kann nicht ausgeliefert werden. Bei der Beschau wurde festgestellt, dass das beigelegt Ausfuhr-Zertifikat über Pflanzen ausgestellt sei und nicht über Tiere. Ich musste eine Liste mit lateinischen Namen der Käfer besorgen, die im Päckchen waren (nachträglich stellte sich heraus, dass bereits eine solche Liste im Päckchen vorlag – die Aktion war wohl eine kleine Schikane). Ich wusste nicht genau, was im Päckchen war, denn aus Kamerun hatte ich ja nur die Info "Mixed Beetles".  Also schrieb ich eine Liste mit ein paar Namen von Käfern, die vermutlich im Päckchen waren: eine Auflistung der Standard-Arten. Die lateinischen Namen haben dem Veterinär natürlich nichts gesagt.

In dem Stapel von Dokumenten, Ausdrucken, Kopien, mit wichtigen Unterschriften versehenen und abgestempelten Lieferscheinen und sonstigem Müll, der sich mit der Zeit angesammelt hatte und der mir später extra per UPS geschickt wurde, befand sich auch ein Ausdruck vom Veterinär: er hat im Internet recherchiert und wahrscheinlich bei Google den Namen Chelorrhina polyphemus eingegeben. Und er ist auf die Seite von Kollege Daniel Kunte gekommen (coleoptera xxl), er hat sich die Seite ausgedruckt und wahrscheinlich neben die toten Käfer im Päckchen gehalten, um zu vergleichen. Zur Recherche der restlichen Namen hat ihm wohl die Zeit oder der Nerv gefehlt. Sonst wäre er vielleicht noch auf meiner Krabbel-Homepage gelandet und hätte sich selbst ein Bild machen können.

giraffe
Eine von vielen Naphtalin-Kugeln: locker ins Päckchen gestreut, ebenso wie die Megalorrhian harrisi. Die anderen Käfer in den Filmdosen waren zwar nicht direkt in Kontakt mit dem Naphtalin, aber das hat ihnen auch nichts genützt.

9. Fehler:
Alle Käfer im Päckchen wurden inzwischen amtlich für tot erklärt und das falsch ausgestellte Zertifikat war nun kein Hinderungsgrund mehr. Kein Wunder,  die Abwicklung wurde auch lange genug hinausgezögert. Trotzdem werden 90 Euro Veterinär-Gebühr berechnet. Außerdem erhielt ich eine offizielle Protestnote wegen Tierquälerei. Auf gut deutsch heißt das, dass ich vom Tierarzt einen ordentlichen Anschiss bekam. Und dies zu recht: Der Vollhorst aus Kamerun hat die Käfer in einer luftdicht schließenden  Styroporschachtel verschickt. Das ist nicht besonders intelligent, wäre aber wohl nicht ganz so schlimm gewesen. Was den Tieren aber mit Sicherheit den Rest gab: er hat in das Päckchen zu den lebenden Käfern eine Handvoll Naphtalin ("Mottenkugeln") rein geschmissen und so dafür gesorgt, dass die Tiere den Versand garantiert nicht überleben und in der luftdichten „Gaskammer“ jämmerlich verreckt sind. Außerdem scheinen dem Fänger die Plastikdosen knapp geworden zu sein, er hat zusätzlich eine Handvoll Megalorrhina harrisi lose ins Päckchen geworfen (und dann wahrscheinlich den Deckel ganz schnell zu gemacht). Die Käfer hingen grotesk verzerrt zwischen dem Füllmaterial (Toilettenpapier), das sie aus Verzweiflung zu kleinen Schnipseln zerlegt hatten. Das Naphtalin hatte sich als feiner weißer Überzug auf den Käfern festgesetzt, bei manchen sogar Löcher in die Flügeldecken geätzt. Ein kleiner Scherz vom Veterinär: UPS hat ja nun keine Probleme mehr, denn es seinen ja keine lebenden Tiere mehr, die weiter transportiert würden... Auf dem Veterinärdokument für die Einfuhr unter Punkt 12 (Art der Ware) stand bisher "1 Colli lebende Rosenkäfer". Dies wurde nun aktualisiert in "1 Kolli tote Rosenkäfer", alles wieder in dreifacher Ausfertigung, mit Stempel und wichtigem Unterschrift-Gedönse.

[Aus Wikipedia: Die letale Dosis (oral) liegt für den Menschen bei 5 g. Naphthalin führt auf der Haut zu starken Reizungen und zur Dermatitis. Naphthalin kann die roten Blutzellen schädigen. Beim Einatmen kann es zu Schleimhautreizungen, Kopfschmerzen und Übelkeit, Erbrechen und Verwirrtheitszuständen führen. Bei Einnahme führt es zu Magen-Darm-Störungen, Atemlähmung, Krämpfen und Tremor. Eine Schädigung der Augenhornhaut, der Leber und Nieren ist durch Naphthalin möglich. Zwischen einem Luftvolumenanteil von 0,9 bis 5,9 Prozent bildet es explosive Gemische. Eine krebserregende Wirkung des Naphthalins wird vermutet.]

 

10. Fehler:
Nachdem nun alles geklärt war wurde das Päckchen immer noch nicht ausgeliefert. Ich musste wieder anrufen. Es wurde mir ausgerichtet, mein Päckchen sei inzwischen in München-Garching im Zollamt, ich soll doch dort mal anrufen. Dort wiederum wurde mir mitgeteilt, es handele sich um eine Sendung mit toten Käfern mit höherem Wert als 75 Euro, und das unterliegt der Steuerpflicht. Im Päckchen lag dummerweise eine handgeschriebene Bestätigung über die im Voraus bezahlte Summe. Davon wurden 19% Mehrwertsteuer berechnet und bei der Auslieferung abgezockt. Außerdem habe der UPS-Fahrer die Adresse beim der ersten Anfahrt nicht gefunden, eine zweite Anfahrt kostet 25 Euro. Es wurde bei UPS Köln leider vergessen, den Adressaufkleber mit meiner schon vor Tagen telefonisch korrigierten Adresse aufs Päckchen zu kleben. Kann ja mal passieren...

 

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Mein Ärger und Frust über diesen Bürokratie-Hindernis-Parcours wurde noch ein letztes Mal kräftig angeheizt, als ich das Päckchen öffnete: es waren genau die Arten drin, die ich nicht haben wollte: Chelorrhina savagei, Chelorrhina polyphemus, Megalorrhina harrisi und Stephanocrates preussi. Die Käfer waren von den beigelegten Mottenkugeln total verätzt und nicht mal mehr für die Sammlung zu gebrauchen. Die Käfer waren noch nicht starr, aber beim Berühren sind sie in ihre Einzelteile zerfallen. Ich habe das Päckchen mit Inhalt restlos entsorgt, die ganze Wohnung hat nach Mottenkugeln und verfaulten Käfern gestunken.

Der Fänger aus Kamerun bedauerte die Sache angemessen – also fast gar nicht. Was mit den Käfern passiert ist hat ihn praktisch nicht interessiert. Für ihn war viel tragischer, dass ich stocksauer war und Ersatz verlangte. Er will mir noch mal Käfer schicken, aber dafür muss er vorher erst ein paar Päckchen nach Japan verhökern. Wenn er dann wieder etwas Kohle verdient hat, so will er sich um meine Forderung kümmern. Inzwischen, das hat er mir beteuert, geht er jeden Tag in die Kirche und betet für mich und für UPS, damit nächstes Mal alles gut geht. Sein Wort in Gottes Ohr! Ich fände es jedoch produktiver, er würde sich in in den Busch verziehen und nicht in die Kirche.