Hier krabbelts - Die Website über Käfer und Insekten

 
namibia_kersten
asd
Windhoeck, Auas City Hotel. Vorne
unser Camper "Onduzu", was in Herero "Schildkröte" bedeutet. Wir sind ja
auch nicht für eine Rally nach Namibia gekommen...
 
namibia
Endlose Straße nach Norden, das
Schild warnt uns vor Warzenschweinen.
 
namibia
Mitten im Busch mit der "Schildkröte". Eigentlich sollten Büsche und Bäume zu dieser Jahreszeit in voller Blüte stehen.
 
namib_gepard
Auf der Otjitotongwe Cheetah Farm war "Katzen streicheln" angesagt, im eingezäunten Grundstück leben drei zahme Geparden-Weibchen. Diese
wurden als verwaiste Jungtiere zur Farm
gebracht und von Hand aufgezogen.
 
giraffe
Die Trockenheit zwang die Tiere, aus jedem sich bietenden Wasserloch zu trinken.
 
namib_bar
Bei Heinrich an der Bar – man kann bei dieser Trockenheit ja nicht immer nur
den Käfern hinterher jagen!
 
namib_busch
Morgens im Busch: Bienen, Wespen
und Hummeln waren schon wach, nur
die Rosenkäfer waren noch nicht da...
 
heuschrecken
Laubheuschrecken bei der Paarung –
das Weibchen war über 15 cm groß.
 
namib_hitze
Verdammte Hitze und Trockenheit...
wo sind nur die Rosenkäfer??
 
namib_weihnachten
"Weihnachtsstimmung" am 26.12.2007 auf der Farm von Heinrichs Eltern.
 
namib_meteorit
Der Hoba Meteorit, der größte bisher auf der Erde gefundene Meteorit.
 
namib_waterberg
"Wasserloch" am Waterberg: Der Water-
berg macht seinem Namen keine Ehre.
 
namib_rosi
Man braucht schon gute Augen, um die
Käfer in 4 Metern Höhe zu entdecken
(rot eingekringelt: ein Dischist cincta). Aber gesehen heißt noch lange nicht gefangen!
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Sonntag
Nach einem 10-stündigen Flug landeten wir am 09.12.2007 in Windhoek. Namibia empfing uns mit strahlendem Sonnenschein, wolkenlosem Himmel und Temperaturen um 25 Grad. Ein Mitarbeiter von "African Tracks", unserer Mietwagenfirma, stand schon bereit und brachte uns nach Windhoek zum Depot. Nach 2 Stunden war der Papierkrieg erledigt und unser Camper mit allem Nötigen für die Tour ausgerüstet. Die Nacht im Flugzeug hing uns noch in den Knochen, deshalb blieben wir den ersten Tag in Windhoek. Als Quartier hatten wir uns "Auas City Hotel" ausgesucht, ein kleines sauberes Stadthotel mit B&B.

Montag
Erste Etappe: nach Norden Richtung Otjiwarongo. Dort suchten wir nach dem Weg zu „Kudubus Campsite“, einem kleinen Camp mitten in der Savanne. Der Abzweig zum Camp war ein sandiger Pad (Als "Pad" werden in Namibia alle unbefestigten Straßen bezeichnet), der Sand wurde immer tiefer. Mehrmals mussten wir aussteigen, Gatter öffnen, durchfahren und wieder schließen, bis wir nach einigen Kilometern zur Campsite kamen. Wir waren die einzigen Gäste und standen mit unserem Camper sprichwörtlich im Nirgendwo, so weit das Auge reichte war Dornbuschsavanne. Ein Rundgang auf der Farm zeigte uns deutlich, dass die Regenzeit noch nicht bis hierher vorgedrungen war, alles war staubtrocken, die meisten Bäume und Büsche hatten kaum Blätter, von blühenden Pflanzen konnte man nur träumen. Auf unserer Wanderung durch die Savanne konnten wir keinen einzigen Käfer finden, Schmetterlinge gab es zwar in großen Mengen, auch andere Insekten wie Bienen, Wespen und Hummeln konnten wir entdecken, aber keinen Käfer. Abends gegen 21 Uhr entdeckte ich dann im Schein der Stirnlampe eine Bewegung am Boden: ein ca. 6 cm großer Laufkäfer der Gattung Anthia war auf der Jagd. Jetzt war auch bei mir das Jagdfieber geweckt, bewaffnet mit Lampe, Dose und Insektennetz ging die Suche los, und im Laufe des Abends konnte ich noch einige dieser imposanten Räuber fangen.

Dienstag, Mittwoch
Weiter, über Otavi in Richtung Kemanjab zur "Otjitotongwe Cheetah Farm". Diese Farm unterhält neben Nutztierhaltung auch ein Projekt zur Aufzucht und Auswilderung von Geparden. Da wir Katzen sehr mögen war ein Besuch auf dieser Farm ein Muss für uns. Auch hier waren wir wieder die einzigen Gäste und unternahmen gleich einen Rundgang auf dem Farmgelände. Das gleiche Bild wie im vorherigen Camp, Trockenheit und keine Käfer... das konnte ja lustig werden, eigentlich waren wir ja zum Käferfang nach Namibia gekommen... Nachts konnte ich dann im Schein der Lampe wieder einige Anthia fangen. Auf der Farm hat es uns gut gefallen, wir verbrachten dort noch einen weiteren Tag. An Käfern brachte dieser weitere Tag jedoch nichts Neues, in der Nacht fand ich wieder ein paar Anthia Arten.

Donnerstag
Wir fuhren wieder zurück nach Otavi und von dort nördlich zum Etosha Nationalpark. Im Park begann unsere erste Pirschfahrt, vom Großwild gab es genug zu sehen, die Kleintiere waren spärlicher vertreten: auf unserer Tour haben wir nicht einen Käfer entdecken können.

xadf
Etosha Pfanne: Salzschlamm so weit das Auge reicht... selbst auf den riesigen Misthaufen der Elefanten und Huftiere gab es nicht einen einzigen Mistkäfer – was auch nicht verwunderlich war, denn bei Temperaturen von über 50 Grad in der Sonne trocknete der Dung innerhalb von wenigen Minuten völlig aus und wurde somit für die Mistkäfer unbrauchbar. Hier im Etosha Park gab es noch nicht einmal nachts Käfer.
 
Freitag
Am Morgen setzten wir unsere Fahrt durch den Park fort und fuhren nach Halali und weiter nach Namutoni, wo wir nach 150 km den Nationalpark am "Von Lindequist Gate" wieder verließen. Auch an diesem Tag sahen wir wieder jede Menge Großwild, aber keinen Käfer. Trotz der faszinierenden Eindrücke und Erlebnisse machte sich bei mir so langsam der Frust breit: fast eine Woche in Namibia und immer noch keinen Rosenkäfer!! Auf der Fahrt nach Tsumeb wurde es plötzlich dunkel, ein Gewitter zog heran. Der einsetzende Regen war so extrem, dass die Sicht maximal 5 Meter betrug. So schlagartig wie das Gewitter begonnen hatte war es nach 30 Minuten auch schon wieder vorbei, die Wolken verschwanden, die Sonne brannte wieder. Wie fuhren nach Norden Richtung Rundu. Etwa 60 km nach Grootfontein fanden wir den Abzweig zu "Roy´s Camp", unserem Ziel für diesen Tag. Im Camp angekommen wurden wir von Heinrich, dem Barkeeper, auf deutsch begrüßt. Die Atmosphäre in diesem Camp war sehr herzlich und freundlich, und jetzt ging es erst mal für ein kaltes Bier an die Bar. Aus dem einen Bier wurden im Laufe des Abends doch noch ein paar mehr, wir verbrachten den gesamten Abend bei Heinrich an der Bar.

Samstag
Morgens sind wir zum obligatorischen Rundgang aufgebrochen und haben eine mehrstündige Wanderung in die Savanne gemacht, hier hatte ich das Glück, meine ersten Sandlaufkäfer der Gattung Dromica zu fangen, aber Rosenkäfer gab es auch hier keine. Am Abend fragte ich Heinrich nach Rosenkäfern und zeigte ihm Bilder von den gesuchten Arten.  "Die gibt es eigentlich alle hier in der Gegend", und auf meine Frage WANN kam als Antwort: "Normalerweise jetzt, aber wir hatten noch keinen Regen und du wirst wahrscheinlich kein Glück haben." Na wunderbar, da fliegen wir nach Namibia, um Käfer zu fangen, und jetzt bleibt der Regen aus und somit auch die Rosenkäfer. Das gleiche Dilemma hatten wir schon mehrmals bei unseren Reisen in Westafrika: die Regenzeit kam verspätet oder gar nicht. Es wurde langsam dunkel und wir blieben gleich an der Bar sitzen, als plötzlich ein Gewitter aufzog, es schüttete 2 Stunden wie aus Kübeln! Als der Regen vorbei war bot sich ein faszinierendes Schauspiel: die Termiten kamen aus ihren Bauten und fingen an zu schwärmen. Millionen von Termiten waren innerhalb von wenigen Minuten in der Luft. Da die Tiere nach dem Schwärmen ihre Flügel abwerfen, lagen in kurzer Zeit die Flügel bis zu 15 cm hoch auf dem gesamten Gelände. Wie auf Kommando kamen nun auch die "großen Brummer" zu allen Lichtquellen geflogen, große Mistkäfer der Gattungen Heliocopris und Scarabaeus. An der Bar schlugen die Kerle im Minutentakt ein, überall auf dem Boden krabbelte und brummte es, aber es waren eben nur Mistkäfer und keine Hirsch-, Bock- oder Nashornkäfer.

Sonntag, Montag

Früh morgens stand ich voller Erwartungen auf und machte mich sofort auf den Weg in den Busch. Es war unglaublich: der Regen am Abend und in der Nacht  hatte bewirkt, dass viele Bäume ihre Knospen entfalteten und blühten, selbst die Bäume, die am Vortag noch gar keine Knospen hatten. Rosenkäfer konnte ich trotzdem nicht finden, erst nach 10 Uhr sah ich die ersten kleinen Rosenkäfer um die Bäume fliegen und hatte auch gleich Erfolg mit dem Fang: entweder die Käfer haben fertig entwickelt auf den Regen in der Erde gewartet, oder sie sind wirklich erst durch den Regen aus den Kokons geschlüpft. Es handelte sich um kleine Arten der Gattungen Leucocelis und Pseudoclinteria. Kurze Zeit später gelang mir der Fang des ersten Mausoleopsis, pünktlich um 13 Uhr war alles vorbei, kein einziger Rosenkäfer war mehr zu sehen. Wahrscheinlich waren die Temperaturen selbst für die sonnenhungrigen Käfer zu hoch und sie haben sich wieder verkrochen.
 
namib_Dischista namib_Mauolepsis
Am Montag konnte ich endlich die ersten größeren Käfer fangen, Dischista cincta (links), ansonsten fand ich nur die gleichen Arten wie am Vortag (Mausolepsis amibilis, rechts). Für die großen Arten hatten die paar Regentropfen wohl doch nicht ausgereicht. Davon ließ sich der Scarbaeus nicht beeindrucken – er war fleißig bei der Arbeit.
scarabaeus
skorpion Macrotoma
Unsere Gäste am abendlichen Lagerfeuer: Skorpion, Gottesanbeterin und Macrotoma palmata, ein recht häufiger Bockkäfer in Namibia.
 
Dienstag, Mittwoch
Nach dem Frühstück ging es weiter, wir wollten ja noch eine ganze Menge erkunden. Von Roy´s Camp führte unser Weg nach Norden, nach Rundu an die Grenze zu Angola. Das ist eine im Gegensatz zum restlichen Namibia tropische und wesentlich feuchtere Region, nur im Norden gab es Flüsse mit Wasser, wie den Okawango, Kunene und den Sambesi, ansonsten gab es nur trockene Flussbetten. Als Camp wählten wir die Kaisosi River Lodge, einige Kilometer östlich von Rundu. Nach Regen sah es hier auch nicht aus, im Norden hatte es in dieser „Regenzeit“ noch kein einziges Mal richtig geregnet, immer nur einige wenige Tropfen. So sah es dort auch aus, KEIN EINZIGER Baum oder Strauch hatte Blüten. Auch auf unseren Exkursionen konnten wir keine Käfer finden, selbst in der Nacht war nichts an den Lampen.

Donnerstag bis Sonntag
Weiter ging’s, etwa 200 km nach Osten, Richtung Caprivi-Streifen. Wir fuhren bis Divundu und suchten dort den Weg zum Ngebi Camp. Der Weg war gerade mal so breit wie unser Auto und stellenweise mit Tiefsand. Manchmal, wenn der Sand zu tief wurde, musste sich unsere "Schildkröte" ziemlich anstrengen. Nach 3 Tagen im Ngepi Camp hatten wir immer noch keinen Rosenkäfer gefunden, nur ein paar Mistkäfer und in der Nacht Anthia Arten. Gespräche mit anderen Reisenden, die aus Simbabwe oder Sambia kamen, haben unsere Befürchtungen bestätigt: es regnete überall ringsum, in Sambia, Simbabwe und Botswana, aber an der Grenze zu Namibia hörte der Regen auf und alles war staubtrocken. Für große Rosenkäfer-Arten reicht ein einmaliger Regen nicht aus, und um länger zu warten, fehlte uns einfach die Zeit.

Montag, Dienstag

Wir fuhren 400 km am Stück durch und waren am Abend wieder in Grootfontein, in Roy´s Camp. Dort angekommen konnten wir unsere Hoffnung gleich wieder aufgeben, denn seit unserer Abreise hatte es nicht ein einziges Mal geregnet. Ich konnte zwar noch einige Rosenkäfer fangen, aber keine neuen Arten. Wir blieben noch bis zum 24.12.07 im Camp und sind dann gemeinsam mit Barkeeper Heinrich auf die Farm zu seinen Eltern gefahren. Auch auf der Farm, in der Nähe von Tsumeb, war alles trocken und nichts blühte, Rosenkäfer haben wir auch hier keine gefunden.

Mittwoch bis Freitag

Am 26.12.07 sind wir zu unserer letzten Etappe aufgebrochen, zum Waterberg-Plateau. Unterwegs haben wir noch einen 60 Tonnen schweren Meteoriten besichtigt, der vor etwa 80.000 Jahren dort einschlug. Am Waterberg angekommen mussten wir noch etwa 40 km Schotter- und Sandpad fahren, bevor wir zur Campsite der "Waterberg Wilderness Lodge" kamen. Dort angekommen war es wie fast überall: staubtrocken und es keine blühenden Pflanzen. Im Waterberg-Massiv hatte es 2 Tage vor unserer Ankunft starke Niederschläge gegeben, am nächsten Tag fingen die Akazien an zu blühen, zwar nur ein paar vereinzelte Blüten – aber das überzeugte uns, bis zum Tag unseres Rückflugs am Waterberg zu bleiben. Am nächsten Tag standen dann schon etliche Akazien in voller Blüte. Jetzt hatte ich ein Problem: die Akazien dort waren viel höher als die kleinen Dornbüsche der Savanne und haben wesentlich längere und stärkere Dornen. Die Rosenkäfer saßen natürlich IMMER auf den Blüten an den obersten Ästen, ein Hinaufklettern war durch die bis zu 5 cm langen Dornen unmöglich. Mit meinem 2-Meter-Netzstock kam ich natürlich nicht auf 5-6 Meter Höhe, wo die Käfer saßen... es war zum Verzweifeln!! Wir mussten die Käfer mit Steinen und Ästen von den Blüten oben verjagen, in der Hoffnung, sie landen wieder weiter unten! Hin und wieder gelang das sogar, aber das Netz blieb ständig an den Dornen hängen und wurde immer löchriger. Trotzdem gelang es mir, ein paar Käfer zu erwischen, Rhabdotis, Dichista und Plaesiorrhinella. Große Arten gab es hier auch keine. Auf die übliche Frage nach Käfern folgte die gleiche Antwort wie von Heinrich: "Ohne Regen kommen die nicht raus."

Das Ergebnis meiner Käferjagd am Waterberg waren zwei zerfetzte Netzbeutel und die Erkenntnis, dass ich nächstes Mal mindestens vier Netzbeutel und eine Netzstange von 5 m Länge mitnehmen werde, denn ohne dieses Equipment ist der Käferfang erfolglos. Auf "normale" Bäume kann man klettern und die Käfer direkt "vor Ort" von den Blüten wegfangen, aber auf die stachligen Savannenbäume kommt man nicht hoch, man muss vom Boden aus versuchen, die Käfer zu erwischen.

Samstag

Am 29.12. fuhren wir vom Waterberg zurück nach Windhoek, abends ging es zurück nach Deutschland. Die nächste Exkursion nach Namibia ist für Dezember 2008 schon fest eingeplant. Es bleibt nur zu hoffen, dass sich die Regenzeit beim nächsten Mal nach unserem Zeitplan richtet.