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Eudicella morgani:
Umwandlung einer Larve zum Käfer (Fotoserie)

Um diesen Prozess fotografisch festhalten zu können habe ich einen schmalen Glasbehälter verwendet und eine kurz vor der Verpuppung stehende L3 in den Behälter eingesetzt (natürlich mit Substrat). Nach einer Woche hat die Larve auch planmäßig einen Kokon mit Fenster gebaut. Eudicella Larven haben die Angewohnheit, ihren Kokon fast immer an einer Wand des Zuchtbehälters "anzubauen". Das hat auf der einen Seite den Vorteil, dass man durch das damit entstandene Fenster die Entwicklung verfolgen kann, andererseits besteht die Gefahr, dass der Kokon durch Austrocknung schrumpft und sich von der Behälterwand lösen kann. Das ist einer der kritischen Momente in der Zucht: lässt man das Substrat völlig austrocknen, so schrumpft der Kokon, löst sich von der Wand und wird hart wie Stein. Ist das Substrat aber noch zu feucht, dann härtet der Kokon nicht richtig aus und wird durchlässig für Milben und Asseln, die eine Puppe so stark schädigen können, dass entweder die Puppe stirbt oder nur ein deformierter Käfer schlüpft.

 

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16.07.2007
Der Kokon ist noch weich, die Larve ist im Inneren hektisch mit den Feinarbeiten beschäftigt. Sie dreht und wendet sich, um jede Stelle des Kokons zu prüfen. Durch Knabbern mit den Zangen und gelegentlichen Klebearbeiten mit feuchter Substanz, welche die Larve mit den Zangen direkt vom After aufnimmt, werden die letzten Unebenheiten beseitigt.
19.07.2007
Die Larve ist noch aktiv. Beim Anstrahlen mit der zum Fotografieren nötigen hellen Zusaztbeleuchtung beginnt die Larve aus der anfänglichen Ruhestarre mit unruhigen Bewegungen. Entweder sie kann den extremen hell-dunkel-Unterschied wahrnehmen oder sie spürt die Hitze der Zusatzlampe. Der Schrumpfungsprozess hat begonnen, die ausgeschiedene Feuchtigkeit kondensiert an der Glasscheibe.
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24.07.2007
Allmählich wird die Larve heller und transparenter. Sie reagiert nicht mehr auf Einflüsse wie Licht oder Erschütterungen. Durch Flüssigkeitsverlust beginnt sie zu schrumpfen. Diese Phase nennt man das Vorpuppen-Stadium. Die Umwandlung bzw. Häutung zur Puppe wird in den nächsten Tagen erfolgen.
29.07.2007
Die letzte Häutung ist vollzogen. Aus der Larve ist eine Puppe geworden. Die Puppe ist noch relativ hell braun, sie ist noch nicht lange in diesem Zustand. Die Beine des Käfers sind schon gut zu erkennen. Im Laufe ihrer Entwicklung zum Käfer wird die Puppe noch dunkler.
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30.07.2007
Die Puppe hat sich im Kokon gedreht. Zu sehen sind nun die Ansätze der späteren Deckflügel des Käfers. Der Hinterleib wird noch weiter schrumpfen. Kokons von Rosen- und Riesenkäfern haben eine Neigung von ca. 20-45 Grad. Meist liegen die Larven mit dem Kopf nach oben im Kokon.

Im Gegensatz zu Hirschkäfern, die ihre Kokons waagerecht bauen, liegen die Larven und Puppen folglich auch waagerecht. Das ist erforderlich, weil bei den Puppen der Hirschkäfer die Geschlechtsorgane außerhalb der Puppe liegen. Die Puppen können nicht auf dem Hinterleib liegen, das würde ihre Geschlechtsorgane schädigen.
02.08.2007
Die braune Färbung wird dunkler, sonst sind keine Veränderungen festzustellen. Die Puppe bewegt sich nur noch selten. In einem (älteren) Buch wurde die Metamorphose etwa so beschrieben: ...“Eine Ursuppe tobt im Inneren, ein Sturm aus Molekülen und Zellen, die sich ordnen und zusammenfügen...“ Diese Formulierung ist eher esotherisch gefäbt denn wissenschaftlich, aber sie beschreibt den Prozess recht anschaulich.

Die Puppen sind in diesem Stadium absolut wehrlos gegen Einflüsse von außen. Wenn jetzt Milben eindringen, dann ist das Ende vorbestimmt.
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05.08.2007
Die Puppe hat sich gedreht, es sind schon Details der Beinsegmente sind zu erkennen. Obwohl der Kokon sehr trocken gelagert wird, hat sich an der „Klebestelle“ an der Glasscheibe etwas Kondenswasser gebildet. Eudicella sind robust und diese geringe Feuchtigkeit stecken sie weg. Wäre diese Puppe aber ein Chelorrhina kraatzi, so wäre sie schon verfault. Aber das ist eine andere Geschichte...
08.08.2007
Hier erkennt man das dreieckige Schildchen. Die Deckflügel hängen noch seitlich und bedecken noch nicht den Hinterleib. Das erfolgt erst kurz bevor der Käfer schlüpft. Dann werden die noch weichen Flügel in die richtige Position gebracht und erhärten. Bei Missbildungen ist es meist so, dass die Deckflügel in dieser seitlich hängenden Position schon vor dem Schlüpfen erhärten. Ist das Außenskelett des Käfers erst mal ausgehärtet, dann ändert sich nichts mehr.
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12.08.2007
Die Details an den Extremitäten werden ausgeprägter. Es ist schon gut die Bildung der Dornen an den Schienen zu erkennen. Leider haben es auch ein paar Milben geschafft, in den Kokon einzudringen. Auf dem Foto konnten sie nicht festgehalten werden, sie waren zu schnell. Es ist also noch nicht sicher, ob die Puppe überleben wird. Wenn weitere Milben eindringen, herrscht sozusagen „Alarmstufe rot“. Die Puppe ist völlig wehrlos und ein Eingreifen von außen ist nicht möglich.
17.08.2007
Das Guckloch wird immer kleiner. Das zeigt, dass es innerhalb des Kokons immer noch relativ feucht ist, obwohl das umgebende Substrat sehr trocken ist. Die Puppenhaut wird faltig, bald ist es soweit. Jedoch sollte man sich trotz des fortgeschrittenen Stadiums noch nicht zu sehr freuen – die Erfahrung hat gezeigt, dass man noch lange nicht gewonnen hat. Erst wenn der Käfer lebend auf der Hand sitzt, kann man sich sicher sein, dass es geklappt hat.
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20.08.2007
Die Häutung ist vor ein paar Stunden erfolgt. Der Käfer ist fast noch transparent, wenn sich die Farbe gebildet hat, dann sollte er metallic-grün sein. Im unteren Bereich hat sich etwas Flüssigkeit gesammelt, das kann nur ein Resultat der Häutung sein. Die Flüssigkeit wird vom Baumaterial des Kokons aufgenommen und die harte, trockene Kokonwand wird durch die Feuchtigkeitsaufnahme wieder etwas weicher. Noch ist nicht zu erkennen, ob es ein Weibchen oder Männchen ist.
21.08.2007
Die Durchsicht wird immer schlechter, gerade noch zu erkennen ist die grüne Unterseite und ein Oberschenkel. Der Hinterleib ist noch hellbraun und weich. Mit dem Fortschreiten der Färbung beginnt auch der Panzer mit der Aushärtung. Wenn die Puppe bzw. der frisch gehäutete Käfer sich im Kokon nicht drehen kann, hat er keine Möglichkeit, seine Deckflügel in die richtige Position zu bringen. Sie härten trotzdem aus und das Resultat ist eine Missbildung.
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23.08.2007
Das helle Licht, das als Beleuchtung zum Fotografieren benötigt wird, macht den Käfer unruhig. Er hat es im Prinzip schon geschafft, die grüne Farbe ist fast komplett, der Käfer ist bewegungsfähig. Trotzdem wird er noch für etwa 2 Wochen im Kokon bleiben. Würde man ihn jetzt aus dem Kokon holen, so würde er sich wieder im Terrariensubstrat einbuddeln für die Zeitdauer, die er normalerweise im Kokon verbracht hätte.
28.08.2007
Der Kokon hat sich von der Glaswand gelöst und die Feuchtigkeit ist verdunstet. Ein optischer Unterschied zum Aussehen vor 4 Tagen ist nicht zu erkennen. Das Skelett ist fertig, die Verweildauer im Kokon scheint noch für die Entwicklung der innneren Organe benötigt zu werden. Werden Käfer zu früh aus ihren Kokons geholt, sind sie oft nicht zur Fortpflanzung fähig und sterben auch nach relativ kurzer Lebensdauer.
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03.09.2007
Um die Angelegenheit zu beschleunigen, habe ich manuell etwas nachgeholfen und den Kokon aus dem Substrat genommen. Sonst hätte ich mit schussbereitem Foto tage- und nächtelang vor dem Kokon sitzen müssen, um den Zeitpunkt des Schlüpfens zu erwischen. Trotz der trockenen Lagerung ist es erstaunlich, wie viele Milben sich auf dem Käfer befinden. Sie können dem Käfer aber nichts mehr anhaben.
Das Ende vom Lied:
Hautreste der Larve und Puppe bleiben zusammen mit der Kokonhülle verlassen im Substrat zurück. Die Entwicklungszeit ab Kokonbau bis zum Schlüpfen des Käfers betrug etwa 40 Tage. Das ist für eine vollständige Metamorphose von Larve zu Käfer eine erstaunlich kurze Zeitdauer. Für einen Züchter bedeutet diese "kurze Zeit" trotzdem 40 Tage warten und hoffen. Geduld ist eine Tugend, die man als Käferzücher haben muss.