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Chelorrhina kraatzi:
Murphy's Gesetz hat gnadenlos zugeschlagen!

Über Erfolge in der Zucht zu berichten geht etwas leichter von der Hand als ein frustrierendes Erlebnis zu dokumentieren. Dennoch –  als Käferzüchter muss man auch mit Misserfolgen leben. Das ist leichter gesagt als getan, denn dieser Flop mit Chelorrhina kraatzi war doch recht frustrierend und hat meinen Elan für geraume Zeit gebremst. Nicht nur, dass der Import der Käfer sündhaft teuer war, mehr noch hat der durch eigenes Verschulden verursachte Misserfolg genagt. Der einzige (schwache) Trost ist, dass es anderen Züchtern ähnlich erging. Und das waren keine Anfänger, sondern Kollegen aus Tschechien, die dieses Hobby vermutlich schon länger betreiben als ich.

Murphy hat schon beim ersten Import aus Kamerun deutlich gezeigt, dass es ihn gibt: Die Saison, in der die Käfer in der Natur auftreten, ist November bis Januar. Das bedeutet, dass ein Import wegen der bei uns herrschenden Kälte mit großem Risiko verbunden ist.

Meine erste Lieferung im Wert von etwa 1.000 Euro ist zwar angekommen, aber die Käfer waren tiefgefroren und haben nie ein Terrarium von innen gesehen – sie sind gleich aufs Präparierbrett gewandert...


Die Beigaben, ein paar Männchen von Eudicella woermanni und Eudicella morgani sowie Hirschkäfer Weibchen (vermutlich Homoderus gladiator) wären für eine Zucht nicht brauchbar gewesen – ich frage mich, was der Fänger sich dabei gedacht hat, von den jeweiligen Arten nur eine Sorte des Geschlechts zu schicken.

Die "Nachbestellung" (natürlich gegen volle Bezahlung – für die Kälte bei uns kann ich niemand einen Vorwurf machen) kam umgehend: diesmal hat der Fänger wahrscheinlich nur wenige Ch. kraatzi gefunden. Um den im Voraus bezahlten Preis auszugleichen, hat er die Fehlmenge eben mit Ch. savagei ergänzt. Er hat sich mächtig gefreut, dass er mir einen solch großen Gefallen tun konnte – obwohl ich die Chelorrhina savagei schon
bei den Verhandlungen zur ersten Bestellung abgelehnt hatte, aber das war ja auch schon länger als eine Woche her...

Und die Weibchen für die gefrorenen Eudicella morgani Männchen aus der ersten Sendung waren auch dabei – ebenfalls gefroren.

Einige Käfer sind schon so steif und trocken angekommen, dass der Verdacht nicht unbegründet ist, dass sie längst schon tot waren, als sie von Kamerun abgeschickt wurden.

Die Gewinner der 2. Sendung aus Kamerun, Dezember 2005: Die wenigen noch lebend eingetroffenen Käfer waren dehydriert, gestresst und unterkühlt, sie haben sich nach dem Auspacken sofort gierig auf bereitgelegten Bananen gestürzt.

Immerhin – es hatten vier Ch. kraatzi Weibchen überlebt. Obwohl ich schon viel Geld verloren hatte, wollte ich es wissen: ich machte eine dritte Bestellung. Es war Ende Januar, das Päckchen ist angekommen. Und der Großteil der Käfer hat gelebt! Allerdings waren die Ch. kraatzi schon relativ lasch, stumpfe Krallen, teilweise angebrochene Hörner: die Käfer waren alt, denn sie wurden am Ende der Saison gefangen. Es waren auch nur 4 Männchen und drei Weibchen im Paket.

Die "Ersatzkäfer" waren diesmal eine schöne Überraschung: zwei Paare Eudicella colmanti. Jedoch durfte ich dafür nochmal 350 Euro nachschießen.

Trotz ihres schlechten Zustands lieferten die Käfer über 55 Larven, eine gute Ausgangsbasis für eine Zucht, sollte man annehmen. Die Larven entwickelten sich prächtig, es kam ohne Ausfälle zur Verpuppung. Das Timing war normal: nach zwei Monaten waren die Larven L2, nach weiteren zwei Monaten im L3 Stadium (Bild). Die Larven wurden mit sehr viel Sorgfalt aufgezogen, so manches Haustier wäre neidisch geworden. Spötter haben mich gefragt, ob ich inzwischen mit den Larven "per Du" wäre und sie mit Vornamen ansprechen würde...

Drei Monate später begannen sie sich zu verpuppen. Die Larven bauten ihre Kokons ausnahmslos an die Behälterwand. Schon nach sechs Wochen konnte man durch das Fenster die Puppen erkennen. Die Spannung war groß – die Enttäuschung folgte umgehend.

Die Restfeuchte des Substrats hat den Puppen geschadet: das Substrat war nicht trocken genug, somit ist der Kokon nicht richtig ausgehärtet bzw. durchlässig geblieben. So schön die angebauten Kokons an der transparenten Behälterwand auch anzusehen sind, so groß ist auch die Gefahr, dass durch Austrocknen des umgebenden Substrats auch die Wand des Kokons schrumpft und von der Behälterwand getrennt wird. Es ist nur ein kleiner Spalt, mit dem bloßen Auge kaum zu sehen, aber groß genug, um Milben und Pilze eindringen zu lassen.

In den meisten Fällen war der Milbenbefall relativ gering, ich vermute, dass eher die Feuchtigkeit das Pilzwachstum begünstigte und die paar Milben den Puppen vollends den Rest gegeben haben.


Trotz sofortiger "Trockenlegung" nach Entdeckung der ersten verfaulten Puppen waren 18 Stück nicht mehr zu retten.

Aus Schaden wird man klug, und so habe ich das umgebende Substrat der verbleibenden Kokons radikal austrocknen lassen. Aber Murphy hatte noch ein As im Ärmel: die Larven und Puppen sind nun im Kokon vertrocknet oder sie waren schon so geschädigt, dass sie sich nur zu einem halben Käfer entwickeln konnten: Kopf und Brust waren vollständig ausgebildet und ausgehärtet, ihre Flügel hingen seitlich als Stummel herab, der Hinterleib war noch im Puppenstadium.

Die meisten waren bereits tot im Kokon. Ein paar Käfer sind geschlüpft und haben ein längliches Anhängsel hinter sich her gezogen, was eigentlich ihr Hinterleib sein sollte. Ihre Flügeldecken waren verkümmert, sie boten keinen Schutz gegen Austrocknung. Diese Käfer starben nach kurzer Zeit, entweder natürlich oder im Ätherglas. Der Anblick dieser sich dahinschleppenden Missbildungen war extrem unschön.

Die letzten vier Kokons wollte ich mir gar nicht mehr anschauen, der Frust saß tief. Und dann hat es doch noch geklappt: zuerst schlüpfte ein Weibchen, nach ein paar Wochen kam ein prächtiges Männchen dazu.

Aber Murphy wäre nicht Murphy, würde man nun meinen, dass es diesmal mit der Zucht klappen sollte. Das Weibchen ist um ein Drittel kleiner und vitaler als der stolze Bock. Trotz seiner überlegenen Körpergröße scheint die Mimose Angst vor dem kleineren Weibchen zu haben. Wenn er sich zum Fressen an die Banane schleicht und
das Weibchen taucht aus dem Substrat auf, so räumt er schnellstens das Feld und verzieht sich. Er gräbt sich ein und erscheint erst nach zwei Tagen wieder. Meist schafft
er es dann wieder nicht bis zur Banane, weil das Weibchen schon drauf sitzt und frisst. Und dann? Er verzieht sich wieder, mit leerem Bauch!

Murphy's Abschiedsgeschenk (möge ihn der Teufel holen!): nachdem das Männchen sich für vier Tage nicht mehr blicken ließ, habe ich das Terrarium durchgegraben. Der Käfer hing völlig vertrocknet und mausetot in einem eingegrabenen Rindenstück fest.