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Amaurodes passerinii :
Die lange Suche nach dem idealen Platz

Finden die Larven keinen geeigneten Platz, an dem sie ihren Kokon bauen wollen, so wandern sie wochenlang auf der Substratoberfläche, bis sie schließlich verenden. Werden Kokons gebaut, so müssen diese trocken gelagert sein und werden nach geraumer Zeit hart wie Stein, so dass sich die Käfer kaum aus eigener Kraft daraus befreien können. Ist die Umgebung aber zu feucht, dann härtet der Kokon nicht richtig aus und die Puppe verfault fast immer. Die vier- bis sechs-monatige Verweildauer im Kokon stellt eine zusätzliche Gefahr dar.

 

Amaurodes passerinii Als Käferzüchter wird man hellhörig, wenn aus dem Schrank, in dem die Larvenboxen aufbewahrt sind, intensive und anhaltende Nagegeräusche zu hören sind. Die Larven von Amaurodes passerinii haben als L3 eine eigenartige Angewohnheit: sie können senkrecht auf dem Hinterleib stehen, halten sich an der Wand der Zuchtbox fest und nagen an den Luftlöchern im Plastikmaterial.

Sie wandern rastlos auf der Substratoberfläche umher und sind auf der Suche nach einem geeigneten Verpuppungsplatz. Nach vielen Stunden oder Tagen auf der Oberfläche sind sie dann bereit, den "vorbereiteten" Platz zur Verpuppung zu wählen. Vermutlich ist diese ständige Bewegung der Larve nötig ist, um das flüssige Sekret im Körper zu bilden, das als Baumaterial für ihren Kokon ausgeschieden wird.

Kokon Amaurodes Dieses Gebilde auf der Oberfläche des Substrats sieht aus wie ein Häufchen feuchter Erde (oder ähnliches). Das ist die frische Masse, die von der Larve ausgeschieden wurde, um daraus einen Kokon zu bauen. Nach etwa einer halben Stunde wird die Masse dunkelbraun und beginnt zu trocknen. Es dauert ein paar weitere Stunden, bis die Masse aushärtet. Diese Zeitspanne benötigt die Larve auch unbedingt, denn sie ist im Inneren emsig beschäftigt, die umgebenden Wände zu glätten und in Form zu bringen. Wenn die Hülle hart geworden ist, dann kann die Larve nichts mehr bewirken und sie verfällt in eine Starre (Vorpuppenstadium).
passerinii_Kokon Dieses Verhalten bei Amaurodes Larven habe ich noch nicht erlebt: ein Großteil der Larven haben das weiche Holz von unten aus einem bereitgelegten halbierten Ast ausgenagt, bis nur noch die harte äußere Schale auf der Substratoberfläche übrig war. In die passenden Höhlungen wurden die Kokons gebaut. Somit sind die Kokons zwar völlig an der Oberfläche, haben aber einen "Sichtschutzdeckel" aus Holz und sind praktisch unsichtbar, wenn der Ast nicht umgedreht wird.
passerinii kokon Durch Nachfüllen von ein paar Löffeln trockenem Substrat-Sand-Gemisch in einer Ecke der Zuchtbox oder durch Auslegen eines Astes bzw. Holzstücks auf der Oberfläche lassen sich die meisten Larven "überzeugen", endlich den Verpuppungsplatz ihrer Wahl gefunden zu haben. Meist legen sie den Kokon im trockenen, sandigen Bereich direkt an der Oberfläche an, oft ragt noch der obere Teil des Kokons aus dem Substrat. Die Larve steckt viel Energie in die Vorbereitung des Platzes, wo sie ihren Kokon baut. Entweder sie verdichtet das umgebende Substrat und baut einen Hügel, in dem der Kokon eingebettet ist, oder sie nagt aus dem harten Holz eine Vertiefung. Dieses Verhalten der Larven ist etwas ungewöhnlich, sind sie doch in HOLM & MARAIS als Waldspezialisten beschrieben. Ein solches Verhalten der Larven passt eher zu den Savannen-Arten wie Cheirolasia oder Ranzania.
Das Problem mit den Kokons von Amaurodes und Megalorrhina: werden sie nicht sehr trocken gelagert, dann stirbt bzw. verfault die Puppe im Inneren des Kokons. Bedingt durch die trockenen Lagerung aber werden die Kokons steinhart. Meist schafft man es nicht einmal mit dem Fingernagel, ein Loch zu kratzen. Das nächste Problem ist die sehr lange Verweildauer der Larven und Puppen im Kokon. Meist aber siegt die Ungeduld des Züchters und nach 4-5 Monaten bohrt man dann doch ein Loch in den Kokon, um mal nachzuschauen. Es kann passieren, dass nach dieser langen Zeit immer noch eine Larve im Kokon ist und die Verwandlung noch gar nicht stattgefunden hat. Oder man findet einen vertrockneten Käfer, der es nicht geschafft hat, sich aus eigener Kraft aus dem steinharten Kokon zu befreien. Deshalb erhöhe ich die Luftfeuchtigkeit bei den Amaurodes-Kokons nach etwa vier Monaten, damit die Kokonhülle etwas weicher wird und so die Käfer eine Chance haben. Allerdings muss man sehr vorsichtig agieren, sonst war die Wartezeit umsonst, Puppen können verfaulen oder verpilzen.
amaurodes Nach vier Monaten Wartezeit hat die Ungeduld wieder mal gesiegt und ich habe ein kleines Loch in den Kokon gebohrt. Kaum zu glauben, im Kokon befand sich noch die aktive Larve, noch nicht mal im Vorpuppenstadium. Ein paar Wochen später war das Loch im Kokon wieder verschlossen – von der Larve! Zwei Monate später habe ich wieder ein Loch gebohrt, und jetzt war wenigstens eine Puppe zu sehen. Kurz darauf erfolgte die Häutung, diese Phase scheint sehr schnell abzulaufen. Es kam ein recht zierliches Weibchen zum Vorschein. Vemutlich war der Käfer deshalb so klein, weil die Larve einiges ihrer Energie verbraucht hat, um das Loch im Kokon wieder zu verschließen.