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Kaefernamen

Lateinische Käfernamen: ihre Entstehung und ihre Bedeutung

Entomologie ist die Wissenschaft der Insekten, die Insektenkunde. Sowohl insecta (lateinisch) als auch entomos (griechisch) haben die Bedeutung „eingekerbt“. Gemeint ist damit der gegliederte Körperbau des Insektes in Kopf, Brust und Hinterleib. Coleoptera (Käfer), abgeleitet aus den griechischen Worten „koleos“ = Schutz(hülle) und „ptera“ = Flügel, bezieht sich auf die modifizierten Deckflügel, die als Schutzabdeckung der Hautflügel dienen.

Gattungsnamen wurden in Griechisch oder einer Kombination aus Latein und Grichisch gebildet, meist wird eine Besonderheit der Färbung oder des Körperbaus der Käfer in den Namen eingeflochten; auch griechische Mythen, Heldensagen, Berge und Inseln mussten ihren Namen den Käfern leihen.

Artnamen beschreiben in erster Linie die besonderen Merkmale wie Färbung, Zeichnung, Lebensraum oder Lebensweise des Insekts. Bei der Unmenge an verschiedenen Insekten wurden die anschaulichen Begriffe aus dem Lateinischen mit der Zeit knapp. So begann man, Käfer mit den Namen von  Gelehrten, Kaisern, Generälen oder ihren Entdeckern zu versehen. Es wurde ein „i“ am Ende der Namen angehängt, z.B. wurde Argyrophegges kolbei nach Hermann Julius Kolbe (1855–1939) benannt. Auch biblische Begriffe wurden verwendet, bis schließlich nur noch lateinisch klingende Wortgebilde zur Wahl standen. Mancher Entomologe hat bei der Namensgebung den Mädchennamen seiner Angebeteten im Käfernamen verewigt. So wurden von Allard und Waterhouse  die Arten Stephanorrhina isabellae und Stephanorrhina julia vermutlich einer Dame namens Isabella und Julia gewidmet.

Bedeutung, Entstehung und Hintersinn aller Käfernamen zu entschlüsseln ist eine schier unlösbare Aufgabe.

 

1. System

Anfang des 18. Jahrhunderts, als die systematische Erfassung aller Lebewesen ihren Anfang nahm, war Latein die Schriftsprache der Gelehrten. Sie wurde zur Benennung von Pflanzen und Tieren verwendet und hat bis heute Gültigkeit. Das System der Insekten, also ihre Aufteilung in Arten, Gattungen, Familien und Ordnungen dient dazu, die riesige Menge der einzelnen Tiere in logische Gruppen zusammen zu fassen, um einen Überblick zu gewinnen. Die Gruppen wurden nach gemeinsamen Eigenschaften zusammengestellt.

Dieses System verändert sich ständig, es fließen z.B. neue Erkenntnisse über genetische Verwandtschaften ein. Man erkennt neue Zusammenhänge und kann Schwestergruppen bilden, beispielsweise bilden Taurhina, Cheirolasia und Dicronorrhina eine Schwestergruppe zu Mecynorrhina und Eudicella, beide Gruppen besitzen viele übereinstimmende Merkmale.

Die erste Abgrenzung der Käfer von anderen Insekten ist die Zusammenfassung in eine Ordnung. Der Überbegriff lautet also Ordnung Coleoptera. Die Klassifikation hört natürlich nicht bei der Ordnung auf, man kann die Käfer noch in viele weitere logische oder natürliche Gruppen aufteilen, bis hin zur letzten Einheit, der Art. Eine Art kann immer noch in regionale Unterarten und Farbvariationen aufgeteilt werden.

 

2. Synonyme

Die Forscher von damals haben oft parallel und räumlich isoliert gearbeitet, sie waren nicht vernetzt und besaßen nicht die technische Ausstattung wie heute – deshalb wurden einige Arten und Gattungen mehrfach benannt, so bildeten sich im Laufe der Zeit viele Homonyme, Synonyme und invaliden Namen, oft wurde die selbe Art von verschiedenen Forschern mit verschiedenen Namen beschrieben. Nach dem Gesetz der Priorität gilt der ältere Name, die anderen werden als Synonyme bezeichnet. Die Entscheidung, welcher Name gültig ist, fällt in letzter Instanz die Internationale Kommission für zoologische Nomenklatur in London.

Die meisten Arten haben mindestens ein Synonym. Synonyme halten sich meist für lange Zeit, bis sie aus der Literatur (und aus dem Gedächtnis) verschwunden sind. Ranzania splendens hat eine ganze Reihe von Synonymen: BERTOLONI 1855 hat ihn als erster beschrieben. KLUG 1855 hat ihn Rhamphorrhina petersiana genannt. PERINGUEY 1907 hat den Käfer wieder zur Gattung Ranzania gestellt, sein Name lautete nun Ranzania pertersiana (KLUG) PERINGUEY 1907. Der nächste Versuch, diesen Käfer in das System zu bringen machte DISTANT 1911: er nannte ihn Neoranzania petersiana. ALLARD 1985 machte ihn zu Ranzania splendens petersiana. HOLM & MARAIS 1992 stellten ihn zu den Taurhina aufgrund morphologischer Ähnlichkeiten. Sein neuester (und endgültiger?) Name lautet nun Taurhina (Rhamphorrhina) splendens (Bertoloni) comb. nov.

Fast jede Überarbeitung im System zeigt wieder neue Synonyme auf. Diese werden durch (syn. nov.) gekennzeichnet.

Umstellungen von Arten zu anderen Gattungen werden durch (comb. nov.) hervorgehoben. Beispiel: Mecynorrhina (Amaurodes) passerinii (comb. nov.) sagt aus, dass die Käfer von der ehemaligen Gattung Amaurodes nun zu den Mecynorrhina eingegliedert wurden. [Holm, Journal of African Zoology, 1993]

 

3. Autorennamen

Grundlage der Nomenklatur ist die binomische oder trinomische Nomenklatur. Jeder Artname besteht aus zwei bzw. drei Worten: das erste ist der Gattungsname, das zweite der Artname, das dritte bezeichnet die Unterart (Subspecies, meist abgekürzt als ssp.). Hinzu kommt noch der Name des Autors, der die Art beschrieben hat, dahinter steht die Jahreszahl der ersten Veröffentlichung. Die Autorennamen werden in ungekürzter Form geschrieben, nur Linne bzw. Linnaeus und Fabricius werden meist abgekürzt als L. und F.

Der Autorenname steht manchmal in Klammern. Das bedeutet, dass eine Art anfangs zu einer anderen Gattung gestellt wurde als sie heute ist. Beispiel: Der Hirschkäfer Lucanus cervus (L. 1758) wurde zuerst als Geotrupes cervus L. 1758 beschrieben. Später wurde er der Gattung Lucanus zugeordnet, deshalb steht der Autor in Klammern.

Biographien von Autoren, die mit Rosenkäfern zu tun hatten, finden Sie auf der Unterseite Die Männer hinter den Käfernamen

 

4. Käfernamen

a) deutschsprachige Käfernamen

Im frühen Mittelalter, zu Zeiten Karls des Großen, hießen die Käfer „Wibel“. Dieses Wort findet sich noch in der englischen Bezeichnung „weevil“, womit Rüsselkäfer gemeint sind. Eine Bezeichnung aus dem Althochdeutschen war „Chevar“, daraus wurde „Kever“.

Mit der Einführung des binären Systems durch CARL VON LINNÉ im Jahr 1735 war der Grundstein für einheitliche Kommunikation gelegt. Die wissenschaftlichen Namen sind lateinisch oder lateinisiert und somit für jeden Forscher eindeutig, unabhängig von seiner Muttersprache. Was soll sich ein nicht deutsch sprechender Käferfreund unter einem „Feuerstehler“ oder einer „Gabelnase“ vorstellen? Was ist ein "Kleiner Goliathkäfer"? Damit ist ein Eudicella gralli gemeint, nicht etwa ein klein gewachsener Goliathus. Trotz dieser offensichtlich mangelhaften deutschen Namensgebung gibt es immer noch genügend Autoren, die sich neben den lateinischen Namen zusätzlich noch deutsche Trivialnamen für Insekten ausdenken.

Lateinisch oder Griechisch ist für die Namensgebung besser geeignet als die jeweiligen Landessprachen, es können Wortstämme zusammengefügt werden, um eine Beschreibung auf kurzmöglichstem Raum zusammenzufassen. Beispiel: Hydrometra stagnorum (Familie Hydrometridae, „Teichläufer“) bedeutet wörtlich übersetzt „der Wassermesser stehender Gewässer“. Als deutscher Käfername zu lang und zu kompliziert, während sein lateinischer Name kurz und prägnant die Eigenschaften des Tieres beschreibt. Der Nachteil: nur wenige beherrschen die Lateinische Sprache, noch weniger das (Alt-) Griechisch.

 

b) Käfer, die nach Personen benannt wurden

allardi, Protaetia
ANTOINE benannte den Käfer 1994 nach Vincent ALLARD (1921-1994).
allardi, Cyprolais
MARAIS & HOLM 1992 standen in Nomenklatur-Angelegenheiten mit ALLARD etwas auf Kriegsfuß. Trotzdem oder deswegen benannten sie einen Käfer nach ihm.
bertolonii, Rhamphorrhina
von LUCAS 1879 dem italienischen Botaniker Antonio Bertoloni (1775-1869) gewidmet.
hopei, Cheirolasia burkei
nach Frederick William HOPE (1797-1862), Britischer Zoologe  und Entomologe.
kolbei, Argyrophegges
nach Hermann Julius Kolbe  (1855-1939), Prof. Hermann Julius Kolbe war ein deutscher Entomologe.
kuehbandneri, Protaetia
von Miksic 1983 dem wissenschaftlichen Mitarbeiter der Münchner Zoologischen Staatssammlung, Max Kühbandner, gewidmet.
kuehbandneri, Pachnoda Dieseneue Art (spec. nov.) wurde von Karl Werner (Bayern) in Süd-Kenia, Sagala Hills, neu entdeckt. Typisch für Pachnoda fand Karl Werner die Käfer auf blühenden Akazien in der Savannenlandschaft. Beschrieben hat diese Art Gerhard Beinhundner in Lambillionea XCVII, 1997. Den Namen widmete er dem Mitarbeiter der Zoologischen Staatssammlung München, Max Kühbandner als Dank für seine Ratschläge und Käfer-Leihgaben.
kraatzi, Chelorrhina nach Ernst Gustav Kraatz (1831-1909).
leopoldi, Heterorrhina Burgoin 1931 widmete den Namen dem belgischen König Leopold II. Der Käfer wurde in Belgisch-Kongo, Stanleyville gefunden.

Geschichtlicher Hintergrund: dem belgischen König Leopold II. (1835 -1909) entging nicht, dass die europäischen Staaten dabei waren, Afrika und unter sich aufzuteilen. Sein Bestreben war, ein eigenes Kolonialreich zu beherrschen. Er engagierte den berühmten Forschungsreisenden Henry Morgan Stanley (Stanley wurde auch deswegen berühmt, weil er den Forscherkollegen Livingston in Afrika wieder fand) und beauftragte ihn, den Kongo zu kartographieren. Auf seinem Weg legte er zahlreiche Handelsstationen an, in denen er geraubtes Elfenbein hortete. Die Niederlassung oberhalb der Stanley Falls benannte er nach dem belgischen König: „Leopoldsville“.

Im Kongo herrschten Gewalt und Ausbeutung von unvorstellbarem Ausmaß: Die belgischen Soldaten bekamen abgezählte Munition und als Beweis, dass sie die Patronen auch "richtig" verbrauchten, mussten sie für jede Patrone eine rechte Hand oder einen Kopf abgeben. Körbeweise wurden Hände geräuchert um sie bis zur Abgabe zu konservieren. Als den Soldaten vorgeworfen wurde, sie brächten zu viele Frauen- und Kinderhände, würden also keine Männer bekämpfen, brachten sie Männer um, schnitten ihnen die Genitalien ab und brachten diese zu den weißen Offizieren um ihre "Tüchtigkeit" zu demonstrieren. Gefangene mussten sich hintereinander aufstellen, um beim Erschießen nur eine Kugel "zu verbrauchen". 1911 ergab eine Volkszählung in der Kolonie, dass in den ersten 25 Jahren der belgischen Kolonialherrschaft 25 Millionen Afrikaner ausgerottet worden wurden.

lettowvorbecki, Cheirolasia Nach PAUL von LETTOW-VORBECK, "Der Löwe von Afrika". Oberst und Commandeur der Schutztruppe von Deutsch-Ostafrika.

Geschichtlicher Hintergrund:
(1915-1917) Lettow-Vorbeck verteidigt im Ersten Weltkrieg Deutsch-Ostafrika gegen 130.000 bis zeitweise 300.000 britische, südafrikanische, belgische, indische, nigerianische, kongolesische und portugiesische Truppen, obwohl diese sowohl zahlenmäßig als auch Ausrüstung und Nachschub betreffend weit überlegen waren. Aus dem Boxerkrieg bestens vertraut mit der britischen Strategie und Taktik (Frontalangriffe bis zum letzten Inder) und geschult im Guerillakampf der Herero in Südwestafrika, verfolgte er eine Taktik der Nadelstiche gegen den zahlenmäßig weit überlegenen Gegner. Er wurde zum Oberst befördert und mit dem preußischen Verdienstorden "Pour le Mérite" ausgezeichnet.
Ab 1916 musste er die deutsche Kolonie schrittweise aufgeben. Ab 1917 zogen sich die deutschen Kolonialtruppen aus Deutsch-Ostafrika kämpfend nach Mosambik (damals Portugiesisch-Ostafrika) zurück und besetzten bis 1918 Teile der Nordhälfte dieser portugiesischen Kolonie. Die Truppen Lettow-Vorbecks bestanden zum größten Teil aus einheimischen Askari. Nur einige Hundert Deutsche bildeten vor allem das Offizierskorps. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland wurde ihm und den überlebenden 143 deutschen Soldaten in Berlin ein triumphaler Empfang bereitet. 1926 konnte er es durchsetzen, dass seine ehemaligen Askaris den noch ausstehenden Sold erhielten und außerdem eine kleine Rente, die auch später durch die Bundesrepublik Deutschland weiter gezahlt wurde.
Von Lettow-Vorbeck wurde 1933 von Hitler umworben und erfolglos zum Eintritt in die NSDAP aufgefordert. Die Leitung des ihm angebotenen Reichskolonialministeriums lehnte er ab. Im Juni 1934 sprengte ein SA-Rollkommando einen Vortrag von Lettow-Vorbeck vor ehemaligen Angehörigen der „Schutztruppe“, Mitgliederm des „Stahlhelms“ und Freunden, und verprügelte die Anwesenden einschließlich Lettow-Vorbeck. Propagandaminister Joseph Goebbels notierte 1938 über Lettow-Vorbeck in seinem Tagebuch: „Auch so ein Reaktionär! Lettow-Vorbeck stänkert gegen den Staat und gegen die Partei. Ich lasse ihm das öffentliche Reden verbieten.“ So passte z.B. Lettow-Vorbecks Hochachtung vor den Askaris nicht ins rassistische Weltbild der Nazis.
mechowi, Eudicella gralli (Quedenfeldt, 1880)
Friedrich Wilhelm Alexander von Mechow (1831-1890) war ein preußischer Offizier, Sammler und Afrikaforscher. Mechow nahm am Deutschen Krieg 1866 und am Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 teil, wo er in der Schlacht schwer verwundet wurde. 1874 nahm er als Major seinen Abschied.Von 1873 bis 1875 beteiligte er sich an der ersten deutschen Loango-Expedition unter Paul Güßfeldt. Die zweite größere Reise unternahm er zwischen 1879 und 1882 in Angola, wo er den Mittellauf des Kwango erforschte, den damals so genannten Kaiser-Wilhelms-Fall entdeckte. Das eigentliche Ziel des Kongo-Flusses erreichte er jedoch nicht. Die gesammelten Tiere kamen 1882 nach Berlin.
Quedenfeldt, G. 1884. Verzeichniss der von Herrn Major a. D. von Mechow in Angola und am Quango-Strom 1878–1881 gesammelten Pectinicornen und Lamellicornen. Berliner Entomologische Zeitschrift 28: 265–340.
moseri, Heteropseudinca Den Namen dieses Käfers aus Malawi widmete HAUSER 1904 dem deutschen Entomologen JOESF MOSER oder auch der hübschen FANNY MOSER, einer Schweizer Zoologin.
oberthueri Mecynorhina Dem  französischen Amateur-Entomologen Charles Oberthür (1845-1924) gewidmet.
poggei, Pachnoda

poggei, Eudicella woermanni (KOLBE 1890)
poggei, Mecynorrhina torquata (KRAATZ 1890)
poggei, Pachnoda (HAROLD 1878)

Die von Abenteurern und Entdeckern auf Sammelreisen gefangenen Käfer und Insekten wurden zurück nach Europa gebracht und dort den Entomologen übergeben. Als Anerkennung wurden neue Arten mit dem Namen ihrer Entdecker beschrieben.
1879 veröffentlichte HAROLD sogar einen Aufsatz über die Sammelreise von Paul Pogge: HAROLD, E. 1879a. Bericht über die von den Herren A. v. Homeyer und P. Pogge in Angola und im Lunda-Reiche gesammelten Coleopteren. Coleopterologische Hefte 16.

Geschichte: Paul Pogge, Afrikareisender, geboren 1839 in Mecklenburg, Jura-Student. 1874 schloss er sich der Kassange-Expedition unter A. von Hohmeyer an und reiste mit ihm von Loanda (Angola) bis Pungo Adongo, dann allein zum Muata Jamwo nach Mussumba. Damit war er weiter ins innere Afrika vorgedrungen als andere Reisende der Afrikanischen Gesellschaft vor ihm. Da der Herrscher der Lunda die Fortsetzung seiner Reise nicht gestatte, kehrte Pogge 1876 nach Angola und von da an nach Deutschland zurück. Mit Wissmann trat er 1880 seine zweite Reise an, auf der er im April 1882 den Lualaba bei Nyangwe erreichte. Dort trennte er sich von Wissmann, der weiter zur Ostküste zog, während Pogge zurück nach Mukenge am Kassai ging, um dort die geplante wissenschaftliche Station zu errichten. Danach reiste er nach Loanda zur Küste, wo er jedoch, ermüdet und krank, kurz nach seiner Ankunft starb.
preussi Stephanocrates Der Käfer kommt nur in Kamerun vor und wurde in der Zeit der deutschen „Schutzherrschaft  in Kamerun vom deutschen Entomologen Hermann Julius Kolbe (1855-1939) beschrieben. Hugo Preuß (1860-1925) war ein liberaler deutscher Jurist und gilt als Vater der Weimarer Reichsverfassung. Wurde nach ihm der Käfer benannt?
rothschildi, Trigonophorus FAIRMAIRE 1891 widmete den Namen vermutlich Lionel Walter Rothschild, 2. Baron Rothschild (1868-1937), einem britischen Bankier und Zoologen aus der internationalen Rothschild-Finanzdynastie. Lionel Walter Rothschild finanzierte und nahm an Expeditionen in der ganzen Welt teil, auf denen er viele Vogel- und Schmetterlingsarten sammelte und in wissenschaftlichen Abhandlungen beschrieb.
sakaii, Protaetia Kaoru Sakai ist unter anderem der Autor des japanischen Buches „The Cetoniine Beetles of the World“.
stanley, Neptunides Janson (1889) war wohl auch von dem heute umstrittenen Forschungsreisenden Henry Morgan Stanley begeistert und widmete ihm einen Käfernamen.

Stanleys Auftraggeber, der Verleger Gordon Bennett, schickte ihn 1869 nach Ostafrika, von wo sich Livingstone zuletzt gemeldet hatte. Mit einer Truppe von 200 Eingeborenen und vier Weißen beginnt der Marsch landeinwärts durch den Urwald Tanganjikas. Klima, Gelände, und Umwelt verursachen die unterschiedlichsten, kaum behandelbaren Krankheiten; Stammesfürsten, deren Gebiet die Karawane passiert, erpressen hohe Tribute, töten Träger und Angehörige des Expeditionsstabs. Proviantdiebstahl, blutige Streitereien, die Verwicklung in Stammesfehden, Desertion, Sabotage demoralisieren die Mannschaft. Stanley denkt an den Abbruch des Unternehmens, aber er gibt sein Ziel nicht auf und stößt nach zehn Monaten, am Ende eines 1.200 km langen dramatischen Fußmarsches auf den von Erschöpfung gezeichneten 58-jährigen Livingstone. Die beiden der Erforschung Afrikas Verfallenen beschließen, gemeinsam die noch unbekannten Uferpartien des Tanganjikasees zu erkunden und brechen zu neuen Abenteuern auf.

Von Beruf eigentlich Journalist, machte ihn sein Zusammentreffen mit Livingstone 1871 weltberühmt. 1875/76 konnte er nachweisen, dass es sich beim Viktoriasee tatsächlich um die Quelle des Weißen Nils handelt. Damit vollendet er auch das forscherische Werk Livingstones. Er befuhr als erster den Kongo und gelangte endlich nach Überwindung vieler Gefahren bis zum atlantischen Ozean. Somit waren gewaltige, bis dahin unbekannte Gebiete der Kalahariwüste und Südafrikas entschlüsselt, das Rätsel des Nils und des Kongos gelöst. Allerdings war er bei der Durchsetzung seiner Interessen gegenüber den Afrikanern mit Pistole und Peitsche nicht zimperlich. Er gilt als der tüchtigste und auch rücksichtsloseste Afrikaforscher seiner Zeit und stellte sein Können ganz in den Dienst des Kolonialismus. Er leistete in den achtziger Jahren einen wesentlichen Beitrag zur Schaffung von Leopolds Kongo-Freistaat, der als Privatbesitz des belgischen Königs Leopold 77mal so groß wie Belgien war.

vingerhoedti, Cyprolais loricata   Allard 1993: er wollte vermutlich seinen belgischen Landsmann Eric Vingerhoedt mit diesem Namen ehren. Vingerhoedt ist Spezialist für Afrikanische Schmetterlinge.
werneri, Dischista cinqta

lizleri, Dischista
(Aus Lambillionea XCVIII, September 1998).
Beinhundner: „Von mehreren Sanmelreisen in Kenia, Äthiopien und Tansania brachten mir Freund Karl Werner aus Peiting, Deutschland und Freund Robert Lizler Hradec Kralove, Tschechien, einige Serien Cetoniinae mit.“

werneri, Dischista cinqta
(ssp. nov.): Dem Entdecker der neuen Art, Karl Werner aus Peiting, gewidmet.
Habitat: Savannenlandschaft - die Käfer saßen auf blühenden Akazien (K. Werner, pers. Mitt.).

lizleri, Dischista
(spec. nov.): Dem Entdecker der neuen Art Robert Lizler aus Hradec Kralove, Tschechien gewidmet.
wentzelheckmannae, Heteropseudinca (Kolbe, 1901)
Hermann Heinrich Alexander Wentzel (1820-1889) war Architekt, Baumeister und königlicher Baurat. Wentzel war verheiratet mit Maria Elisabeth Wentzel-Heckmann. Sie war die jüngste Tochter Carl Justus Heckmanns (ein deutscher Kupferschmied und Industrieller) und wurde 1900 als erste Frau Mitglied der Akademie der Wissenschaften. Die Forschungsfinanzierung wurde durch Stiftungen getragen, die aus testamentarischen Vermächtnissen einzelner Gelehrter und Spenden vermögender Unternehmer entstanden. Eine der größten Stiftungen war die Wentzel-Heckmann-Stiftung. Sie wurde von Wentzels Frau zu Ehren ihres Vaters 1894 gegründet. Startkapital war 1.500.000 Mark, mit den Zinsen daraus wurden wissenschaftliche Projekte finanziert. Möglicherweise profitierte Kolbe, 1901 von dieser Stiftung, weil er ihr einen Käfernamen widmete.
wissmanni, Discopeltis tricolor (Quedenfeldt, 1888)  
Geschichte: Hermann von Wissmann (1853-1905) war ein deutscher Afrikaforscher. Er war von 1888-1891 Reichskommissar und von 1895-1896 Gouverneur von Deutsch-Ostafrika.
Mit dem Afrikaforscher Paul Pogge bereitete er sich 1880 auf eine Reise nach Afrika vor und wurde 1881 im Dienste der Afrikanischen Gesellschaft nach Afrika entsandt. Er betätigte sich als Afrikaforscher u. a. im Auftrag des belgischen Königs Leopold: 1883-1885 in Zentralafrika und durchquerte 1886-1887 Afrika vom Kongo bis zur Sambesimündung.
Hermann von Wissmann: 'Zur Behandlung des Negers', Afrika, Schilderungen und Ratschläge für den Dienst in den deutschen Schutzgebieten, Berlin 1895: ..."Keine Tätigkeit ist geeigneter, den Europäer für die richtige Behandlung der Neger zu erziehen als die militärische. ... Er wird bald erkennen, dass er in den Negern eine noch in den Kinderschuhen steckende Rasse vor sich hat. ... Hört der gute Einfluss des Europäers auf, so fällt der Neger schnell wieder in seine alte Trägheit und Sorglosigkeit zurück.“ ...

woermanni, Eudicella Vermutlich wollte KRAATZ 1890 mit der Namensgebung eine Person aus der Woermann-Familie ehren.
In der ehemals deutschen Kolonie Kamerun waren seit 1862 deutsche Handelshäuser in Gabun tätig, darunter das Hamburger Haus Woermann. 1868 errichtete Woermann die erste deutsche Faktorei in Douala. Woermanns Schiffe transportierten die deutschen Truppen zum Wucherpreis. Passagierschiffe der Woermann-Linie transportierten ein 14.500 Mann starkes Expeditionskorps an die afrikanische "Front".

 

c) Skurrile Namen (Quelle: Wikipedia u.a.)

Ein Schwammkugelkäfer namens Bush, Cheney und Rumsfeld
US-Präsident George W. Bush, Vizepräsident Dick Cheney und Verteidigungsminister Donald Rumsfeld haben künftig einen festen Platz in der Insektenwelt. Zwei amerikanische Entomologen haben jetzt drei von 65 neu entdeckten Schwammkugelkäfern nach den US-Politikern benannt.

Agathidium bushi, Agathidium cheneyi und Agathidium rumsfeldi  sind Schwammkugelkäfer, die sich von Schleimpilzen auf den Baumrinden ernähren. In der englischen Sprache wird die Gattung aufgrund ihrer Ernährung auch als Slime mold beetles, übersetzt „Schleimpilz-Käfer“, bezeichnet. Der Käfer wurde von den amerikanischen Insektenforschern Quentin Wheeler und Kelly Miller, zwei früheren Wissenschaftlern der renommierten Cornell University, im Jahr 2005 nach dem US-Präsidenten George W. Bush benannt. Die Namensgeber betonten, dass die Namensgebung keine Beleidigung darstelle, sondern vielmehr eine Auszeichnung. In den Augen des Magazins „Der Spiegel“ stellt die Benennung allerdings eine Rache der Forscher für angeblich „offene und verborgene Gängeleien der Regierung Bush“ dar, die sich in der Wissenschaft so viele Feinde gemacht habe wie noch keine US-Regierung zuvor.

Anophtalmus hitleri
ist ein augenloser, in den Höhlen Sloweniens lebender Käfer von brauner Farbe aus der Familie der räuberischen Laufkäfer. Oscar Scheibel, ein deutscher Käfersammler, der ein Exemplar dieser Art für seine Sammlung erstand und als neue Art erkannte, benannte den Käfer im Jahr 1933 nach Adolf Hitler. Der braune, blinde Höhlenkäfer wird wegen seines ungewöhnlichen Namens unter Neonazis als Ikone gehandelt. Sammler dringen in seinen natürlichen Lebensraum in den slowenischen Höhlen ein, meldet der Käferexperte der Zoologischen Staatssammlung München, wo schon fast alle Exemplare geklaut worden sind. Der Entdecker des Blindfliegers benannte den Käfer in den 1930er Jahren, wobei zweifelhaft ist, ob die Namensgebung satirische Hintergründe hatte.

Agathidium vaderi
ist ein Schwammkugelkäfer. Er wurde wegen seines helmartigen Kopfes nach der fiktionalen Figur Darth Vader aus den Star Wars Filmen von George Lucas benannt.

 

d) Käfer, die nach ihrem Verbreitungsgebiet benannt wurden

Eine Verbesserung der binomischen Nomenklatur ist die trinomische Nomenklatur, der dritte Name steht für die Unterart (Subspecies) und wird wie der Artname klein geschrieben. Die Bezeichnung der Unterart ist meist der Name des Verbreitungsgebiets des Käfers, wie z.B. Mecynorhina torquata ugandensis. Manche Regionen und Staaten wurden im Laufe der Zeit umbenannt, aus Rhodesien wurde Zimbabwe und Sambia, Burma (Asien) heißt heute Myanmar, Formosa nennt sich heute Taiwan. Häufig wurden geografisch sehr kleine Regionen wie Berge oder Hochebenen zur Beschreibung einer Unterart verwendet. Bei der Suche nach einer solchen Region kann man stundenlang den Atlas wälzen und das gesuchte Gebiet bleibt unauffindbar, weil es nach den vielen Jahren seit der Namensgebung umbenannt wurde oder gar nicht mehr existiert.

aethiopica, Eudicella Aus Äthiopien
angolensis, Taurhina Angola, Südwest-Afrika
bawangensis, Pseudochalcothea pomacea Mount Bawanga, Indonesien
borneensis, Heterorrhina Indonesien, Borneo
burmanica, Ingrisma Der Käfer stammt aus Burma oder Birma. Dieses asiatische Land hat  inzwischen seinen Namen geändert in Myanmar
camerunensis, Taurhina longiceps Eine Unterart aus Kamerun, beschrieben von de LISLE 1947
cretica, Potosia Griechenland, Insel Kreta
formosana, Protaetia Der Käfer kommt aus Taiwan, früher war die Insel bei China unter dem Namen Formosa (nach „Ilha formosa“, Portugiesisch für „schöne Insel“) bekannt
gariepena , Heteroclita  (Gory & Percheron, 1833)
Aus Meyers Konversationslexikon, Vierte Auflage, 1885-1892, Band 12: Der Oranjefluß (Gariep), der bedeutendste Fluß des Kaplandes, dessen Nordgrenze er zum großen Teil bildet, entspringt im Kathlambagebirge am Cathkinpik und fließt erst südwestlich, dann in großen Windungen westlich, die Südgrenze zuerst gegen den Oranjefreistaat, dann gegen die zu Kapland gehörigen Westgriqualand und Betschuanenland, endlich gegen das deutsche Groß-Namaqualand bildend, und mündet unter 29° südl. Br. in den Atlantischen Ozean ...während der weiter westlich auf deutschem Gebiet mündende Große Fischfluß regelmäßig eine wenn auch geringe Wassermenge dem O. zuführt. Der O. ist von außerordentlich schwankendem Wasserstand; in seinem Oberlauf überflutet er in der nassen Jahreszeit seine Ufer oft weit und richtet dann großen Schaden an, in der trocknen Jahreszeit ist er aber für die Schiffahrt zu seicht. Seine nur 120 m breite Mündung versperrt eine Barre.
hainanica, Ingrisma Der Käfer stammt von der Insel Hainan / China und wurde 1984 von KRIKKEN beschrieben.
hereroensis, Eudicella Aus dem südwestlichen Afrika, dem Gebiet der Herero
insularis, Stepahnorrhina guttata insularis (lat. Insel) bedeutet bei dieser Unterart, dass sie nur auf einer Insel vorkommt, und zwar auf Ferdinand Poo, Equatorial Guinea. Sinnvoller wäre es gewesen, dem Käfer den Namen der Insel zu geben.
leonina, Astenorhella Der Käfer kommt aus Sierra Leone
manowensis, Neptunides polychrous Der Käfer stammt aus Deutsch-Ostafrika (Tansania). In Manow wurde eine deutsche Missionsstation betrieben.
miyakoensis, Protaetia Die japanische Insel Miyako-jima ist Hauptinsel der Miyako-Inseln und viertgrößte Insel in der Präfektur Okinawa. Miyakojima ist auch der Name der einzigen Stadt auf der Insel
kafakumbae, Astenorrhina Belgisch-Kongo, Kafakumba, wo bis heute Missionsstationen aller Glaubensrichtungen vertreten sind.
luzonica, Glycyphana Luzón ist sowohl die größte Insel der Philippinen als auch deren nördlichste Inselgruppe.
nyassica, Eudicella nyassica, Eudicella /Coilodera / Hypselogenia / Porphyronota, Gattung Nyassinus (WESTOOD 1879)
Der schottische Missionar David Livingstone entdeckt 1859 den Malawisee (von ihm genannt Nyassasee, den "See der Sterne"). Er zählt mit einer Länge von 560 km, einer Breite bis zu 80 km und einer Tiefe von bis zu 704 m zu den größten Seen im Ostafrikanischen Grabenbruch. Im Norden ragen auf tansanischer Seite die Livingstone-Berge mit Steilwänden bis zu fast 2.500 m Höhe direkt aus dem See.
orientalis, Goliathus orientalis (lat. orientalisch, östlich). Diese Goliathus-Art kommt nur in Ostafrika vor.
orientalis, Protaetia der Käfer kommt aus China, was von Europa aus gesehen östlich liegt. Das ist eine etwas globale Beschreibung der
Herkunft dieser Art.
rhodesiana, Cyprolais / Niphetophora / Oxythyrea Die Käfer stammen aus dem ehemaligen Rhodesien, heute Zimbabwe und Sambia. Nordrhodesien (Northern Rhodesia) war der Name der früheren britischen Kronkolonie im südlichen Afrika, die 1964 als Sambia ihre Unabhängigkeit erlangte. Nord- und Südrhodesien wurden nach Cecil Rhodes benannt, der diese Gebiete für die britische Krone in Besitz nahm. Südrhodesien wurde 1980 als Simbabwe (Zimbabwe) unabhängig.
rondoensis, Daedycorrhina Diese Art wurde erstmals 1986 am Rondo Plateau in Tansania gefangen und von ALLARD 1988 beschrieben.
sardea, Potosia Diese Art kommt in Sardinien und Korsika vor
uluguruensis, Leucocelis (Moser, 1921) Die Uluguru Mountains sind eine Gebirgskette in der Region Morogoro (Tansania). Sie ist 50 km lang und erstreckt sich zwischen Morogoro Stadt im Norden bis zum Selous-Game-Reservat im Süden. Höchster Gipfel ist der Kimhandu mit 2646 Metern. Die Gebirgskette fängt zulaufende Wolken ab, was zu ergiebigen Niederschlägen führt. So fallen an den Osthängen der Ulugurus bis zu 2000 mm Niederschlag im Jahr. Die oberen Bergregionen sind dicht bewaldet und fungieren als Wasserspeicher. Der tropische Bergwald der Ulugurus gehört zu den ältesten Bergwäldern Ostafrikas. Ungefähr 30 Tierarten leben ausschließlich in den Uluguru Bergen. Hinzu kommen 200 endemische Pflanzenarten.
Trotz Schutzmaßnahmen kommt es immer wieder zu Abholzungen in den Ulugurus.
ugandensis, Mecynorhina torquata Diese Art wurde erstmals in Uganda entdeckt
yunnana, Rhomborhina Der Käfer stammt aus der Provinz Yunnan, China

 

 

e) Käfer, die nach bestimmten Merkmalen benannt wurden

Die Bedeutung der Käfernamen, die aus dem Altgriechischen oder Lateinischen oder gar aus einer Kombination von beiden bestehen, ist schwierig abzuleiten. Oft wurden die Worte umgebildet durch Anhängen von Vor- oder Nachsilben. Die Entschlüsselung ist eine endlose Aufgabe für Sprachgelehrte. Hier ein paar Beispiele (die Namen sind nach dem Wörterbuch übersetzt und werden vermutlich nicht in jedem Falle den Ideen der Namensgeber gerecht – wer weiß, was in den Köpfen der Entomologen damals vorging!).

Gattungsnamen
Diese wurden meist aus dem Griechischen gebildet, neben der Beschreibung eines oder mehrerer Merkmale des Käfers wurden auch Namen aus den griechischen Mythen und Heldensagen ausgeliehen: Goliath, Polyphem, Kronos, Titanus und andere Riesengestalten finden sich in manchen Käfernamen wieder.

Amaurodes amauros, amauro (griech.) = dunkel. Die Käfer haben einen schwarzen Körper und schwarze Flügeldecken. Sie machen durch ihre starke gelbe Punktierung der Flügeldecken und das hellgraue Halsschild eher einen „fröhlichen“ Eindruck. Richtig dunkel wirkt die Unterart nigricans mit dunkelroten Punkten, was schon in der Namensgebung berücksichtigt wurde (niger = schwarz).
Conradtia Die Käfer (nur eine Art in dieser Gattung, Conradtia principalis) sind in Tansania in den Usambara Mountains verbreitet. Vermutlich hat KRAATZ 1888 den Gattungsnamen dem Herrn Leopold Conradt gewidmet. KOLBE hat über eine Sammelreise des Herrn Conradt eine Abhandlung veröffentlicht: KOLBE (H.) Über die von Herrn Leopold Conradt in Deutsch-Ostafrika, namentlich in der Gebirgslandschaft von Usambara gesammelten melitophilen Lamellicornier - 1892 -
Cheirolasia cheir, cheiros (griech.) = Hand, lasios (griech.) = haarig, struppig. Die Namensgebung bezieht sich auf die stark behaarten Tarsen der Vorderbeine der Männchen.
Dicheros di-keras (griech.) = Doppelhorn
Dicronorrhina dikranos (griech.) = Zweiköpfig, rhino = Nase. In älteren Werken hieß die Gattung noch Dicranorhina, der Name wurde in Dicronorrnina geändert. Die Namensgebung erhielten die Käfer dieser Gattung vermutlich wegen ihrem an der „Nasenspitze“ quer verlaufenden Horn.
Eudicella eu... griechische Vorsilbe mit der Bedeutung „gut ausgebildet, ausgeprägt“...; di-kella (griech.) = zweizackige Hacke. Treffende Bezeichnung für die Männchen mit ihrem ausgeprägt gegabelten Kopfhorn.
Goliathus Der Gattungsname für den größten und schwersten aller Rosenkäfer ist sehr zutreffend. Goliath, ein dreieinhalb Meter hoher Riese, wird im Alten Testament erwähnt. Der riesengroße Krieger der Philister trug angeblich ein 104 Kilogramm schweres Panzerhemd.
Megalorrhina Das Wort rhin... [griechisch], rhino..., bedeutet Nase, es findet sich als Bestandteil in vielen Gattungsnamen wieder, wie  z.B. Mecynorrhina, Chelorrhina, Heteroerrhina, Stephanorrhina, Dicronorrhina, ...
megalorinos = [griechisch], große Nase; megalô = [griechisch], groß, lang
Neptunides Der Name dieser Gattung spielt wohl auf römischen Gott Neptunus an, er war ursprünglich der Gott der fließenden Gewässer. Er wird meistens mit seinem Dreizack dargestellt. Die Männchen von Neptunides haben ein dreizackiges Kopfhorn, dessen Form dem Dreizack von Neptun stark ähnelt.
Phaedimus phaidimos (griech.) = glänzend. Vermutlich soll die Namensgebung den starken Glanz der Käfer beschreiben.
Rhamphorrhina Rhamphos (griech.) = Schnabel. Die Gattung heißt dann wohl „Schnabelnasen“. Der Name ist vermutlich wegen Rhamphorrhina splendens entstanden, dessen verlängerte Front wie ein Entenschnabel aussieht.
Stephanocrates stephanoô, stephanos, stephanê  (griech.) = etwas umgeben, einschließen; krateô, krateeis = stark, mächtig, regierend. Damit könnte gemeint sein, dass der Käfer, der nur an wenigen Orten (in Kamerun) vorkommt, diese Gebiete beherrscht / regiert.
Stephanorrhina stephanoô, stephanos, stephanê  (griech.) = etwas umgeben, einschließen, umrunden. Damit könnten die beiden nach innen gebogenen Hörner oder „Nasen“ (rhino) der Männchen gemeint sein. Ganz bestimmt heißt es nicht "Eine Nase wie von Stephan", obwohl man bei den Entomologen nie ganz sicher sein kann, aus welcher Laune ein Name vergeben wurde.

 

Artennamen
Im Gegensatz zu den Gattungsnamen ist die Namensgebung der Arten meist etwas einfacher zu enträtseln. Jedoch ist ihre Anzahl um ein vielfaches höher. Diejenigen unter uns, die fließend lateinisch sprechen, mögen sich über die manchmal etwas holperigen Herleitungen und Interpretationen meines dürftigen, vor endlosen Jahren gepaukten und schnellstens wieder vergessenen Schul-Lateins amüsieren. Für die Mehrzahl der Käferfreunde ist Latein und Griechisch eine unbekannte Sprache. 

albosignatus, Goliathus albus, alba (lat.) =weiß, bleich, singare (lat.) bezeichnen; signum = Merkmal, Zeichen. Dieser Name wäre für den helleren Goliathus orientalis noch passender gewesen; jedoch war 1857, als BOHEMAN den Namen vergab, die Art orientalis noch gar nicht entdeckt.
aurata, Cyprolais / Cetonia aurata (lat.) = vergoldet
aureosparsus, Fornasinius aureus (lat.) = golden; sparsus (lat.) = zerstreut. Der Käfer hat unregelmäßig gestreute goldene Punkte auf den Flügeldecken.
bella, Stephanorrhina bella (lat.) = hübsch, artig
carnifex, Dicronorrhina carnifex (lat.) = Henker. Was hat sich HAROLD 1878 dabei gedacht? Vielleicht erinnerte ihn die dunkelblaue Farbe des Käfers mit dem hell umrandeten Brustschild an die Kapuze eines Henkers? 
castanea, Rhomborhina castanea (lat.) = Kastanie. Der Käfer ist kastanienbraun gefärbt.
cavifrons, Dicronorrhina cavum, caviatas (lat.) = Höhle; frons (lat.) = Stirn, Vorderseite. Vermutung: Durch sein quer stehendes Horn sieht die Vorderseite des Kopfes wie ausgehöhlt aus.
concolor, Smicorhina concolor (lat.) = gleichfarbig. Der Name beschreibt die einfarbig grauschwarze Farbe des Käfers.
confluens, Chelorrhina confluentes (lat.) = Zusammenfluss. Die Punktreihen an den Seiten der Flügeldecken sind bei der Unterart confluens zu einem Band zusammengeflossen.
cornuta, Cyprolais cornutus (lat.) = Horn; cornua = Geweih. Ein Cyprolais mit Horn. Keine originelle Namensgebung, denn die Männchen von Cyprolais haben alle ein Horn.
cuprea, Protaetia der kupferfarbene
cupreosuturalis, Eudicella sutura (lat.) = Naht; cuprum (lat.) = Kupfer. Schöne Beschreibung der grünen Käfer, deren Flügelnaht durch einen kupferbraunen Streifen abgesetzt ist.
elegans, Heterorrhina elegans (lat.) = geschmackvoll
gloriosa, Howdenypa gloriosa (lat.) = prahlerisch, glorreich. Die leuchtend grün-metallische Färbung war wohl der Grund für den Namen, der Käfer selbst ist mit nur 20 mm Körpergröße eher bescheiden .
guttatta, Stephanorrhina guttatus (lat.) = gesprenkelt, mit Punkten versehen. Treffende Beschreibung für die unregelmäßige Punktierung der Flügeldecken dieser Art.
histrio, Pachnoda histrio (lat.) = Schauspieler. Was könnte FABRICIUS 1775 veranlasst haben, diesen Käfer als Schauspieler zu bezeichnen? Veilleicht die beiden Punkte und die gebogene Linie auf den Flügeln, die mit etwas Phantasie an ein Clowns-Gesicht erinnern. Oder wollte er den Totstell-Reflex der Käfer mit dieser Namensgebung beschreiben?
imperatrix, Heterorrhina imperatrix (lat.) = Gebieterin, Herrscherin. In dieser Gattung gibt es viele ähnliche Arten; dieser Käfer hat zwar die größten Punkte auf seinen Flügeldecken, ist mit 28 mm aber doch relativ klein und hat wenig mit einer Herrscherin gemein.
immaculata, Eudicella maculata (lat.) gefleckt, Gegenteil: immaculata. Wörtlich übersetzt lautet der Name dieses Käfers „der ungefleckte mit der gut ausgeprägten zweizackigen Hacke “
inexpectata, Eudicella inexpectatus (lat.) = unerwartet. Antoine 1985 hatte wohl nicht erwartet, im Nord-Kongo eine neue Eudicella Art zu finden.
iris, Tmesorrhina Ein Name aus der griechischen Mythologie: Iris war die Göttin des Regenbogens, iris (lat.) = Regenbogen. Der metallisch grüne Glanz des Käfers hat Fabricius 1781 wohl dazu veranlasst, dem Käfer diesen Namen zu geben.
laetus, Euchloropus laetus (lat.) = fröhlich, erfreulich, heiter. Vielleicht hat FABRICIUS 1801 die helle, metallisch grünen Färbung des Käfers erfreut.
nigra, Euchroea nigror, niger (lat.) = schwarz. Als zusammengesetzte Worte in Verbindung mit "nigra" oder "nigro" wurden viele Käfer beschrieben, z.B. Heterorrhina nigritarsis. Der Käfer hat schwarze Tarsen (Beinglieder).
nigropurpurata, Protaetia purpuratus (lat.) = purpur, dunkelrot; niger (lat.) = schwarz. Ein schwarzer Rosenkäfer mit rötlichem Schimmer.
nocturna, Protatetia nocturnus (lat.) = Nacht. Die Käfer sind sehr dunkel mit hellen Punkten und erinnern an einen Nachthimmel mit Sternen.
polyphemus, Chelorrhina „von der Gestalt wie Polyphem“. Der Name könnte eine Anspielung auf Polyphem sein. Er war in der griechischen Mythologie der einäugige Sohn des Meeresgottes Poseidon und der Nymphe Thoosa. Der riesenhafte Kyklop besaß große Herden von Schafen und Ziegen. Als Odysseus, der König und seine Gefährten in Polyphems Höhle kamen, verschloss er diese durch einen Felsblock und fraß einen Gefangenen nach dem anderen auf.
princeps, Stephanorrhina princeps (lat.) = der Erste, Fürst, Prinzessin. Was wollte OBRTHÜR 1880 damit sagen? In Tansania gibt es nur diese
eine Art von Stephanorrhina.
quadrimaculata, Cyprolais (lat.) maculata = Fleck, quattor = vier. "der viergefleckte Cyprolais"
quinquelineata, Chordodera (lat.) = mit fünf Linien: die Beschreibung bezieht sich bei diesem Käfer auf die fünf Streifen seines Brustschilds.
regius, Goliathus regius (lat.) = königlich. KLUG gab diesem beeindruckenden Käfer den passenden Namen.
reluscens, Caelorrhina lucere (lat.) = leuchten; relucere = zurückleuchten. BATES 1881 wollte mit dieser Bezeichnung wohl den leuchtenden grünen Glanz der Käfer beschreiben.
rubripes, Tmesorhina runsorica rubens, ruber (lat.) = rot; pedis, pedes (lat.) = Fuß, Fußgänger. Diese Unterart aus Malawi hat rote Beine, während die Unterart aus Kenia schwarze Beine hat. Der Name beschreibt kurz und prägnant den optischen Unterschied der beiden Unterarten.
rubriventris, Pachnoda rubens, ruber (lat.) = rot; venter, ventris (lat.) = Bauch
rubrocinctus, Pachnoda rubens, ruber (lat.) = rot; cinctus (lat.) = Gurt, Gürtel. Der Käfer hat einen roten Außenrand, ist also rot umgürtelt.
russus, Fornasinius russus (lat.) = fleisch-rot; bezeichnet die rotbraune Farbe des Käfers
semiviridis, Caelorrhina semi- (lat. Vorsilbe) = halb, viridis = grün. Der Käfer hat ein schwarzes Brustschild und grüne Flügeldecken, er ist „halbgrün“.
semiflava, Pachnoda flava (lat.) = blond, gelb. Der  Käfer hat einen breiten gelben Rand, der Rest ist schwarz - er ist also nur halb gelb. Das ist keine besonders originelle Namensgebung, denn viele Pachnoda Arten haben mehr oder weniger ausgeprägte gelbe Bänder und Zeichnungen.
semiopaca, Heterocotinis opacus (lat.) = schattig. Der Name sagt, der Käfer ist nur „halbschattig“. Er ist dunkel braun-grün gefärbt, die Zeichnung der Flügeldecken ist noch undeutlich zu erkennen.
semipunctata, Rhabdotis punctum (lat.) = Punkt. Dieser Käfer ist nur bis zur Hälfte gepunktet, von hinten bis etwa zur Mitte der Flügeldecken. Ab dort ist er bis zum Kopf außer ein paar Linien ohne Punkte. Gute Idee von FABRICIUS 1781.
septentrionis, Cheirolasia burkei septentrio (lat.) = Norden, septentrionalis = nördlich. Die Unterart septentrionis kommt in Kenia vor, das ist das nördlichste Verbreitungsgebiet dieser Art.
sexmaculata, Hetrorrhina wie der Name sagt: der Käfer hat sechs Punkte (Flecken)
simillima, Stephanorrhina (lat.) similis = ähnlich; simillimus = sehr ähnlich. Die Stephanorrhina Arten sehen sich alle sehr ähnlich. Westwood war 1842 nach OLIVIER jedoch erst der zweite Entomologe, der eine Stephanorrhina Art beschrieben hat. Warum ist ihm da kein besserer Name für diese Art eingefallen?
simplex, Stephanorrhina (lat.) simplex = einfach. Diese Art ist einfarbig ohne weiße Punkte. Im Vergleich zu den anderen gepunkteten Stephanorrhina sehen diese Käfer nicht besonders schön aus; sie sind „einfach“.
splendens, Rhamphorrhina splendidum (lat.) = glänzend verweist auf den metallischen Glanz des Brustschilds.
superba, Caelorrhina superba, superbus (lat.) = hochmütig, stolz. Was wollte GERSTAECKER 1883 mit der Namensgebung ausdrücken? Der Käfer ist stark grün glänzend, seine Gestalt ist nicht außergewöhnlich. Vielleicht hat er die Art deshalb als hochmütig bezeichnet, weil  der Käfer wie ein Smaragd glänzt, aber sonst nicht viel her macht?
torquata, Mecynorrhina torquatus (lat.) = mit einer Halskette geschmückt. Damit könnte der weiße Rand des Brustschilds gemeint sein, der (mit etwas Fantasie) einer Halskette ähnelt.
umbrovittata, Eudicella gralli umbro (lat.) = beschatten, schattig, undeutlich; vittatus (lat.) = mit einer Binde geschmückt.
Der Käfer besitzt undeutliche, „schattige“ Streifen bzw. Binden auf den Flügeldecken.
unicolor, Rhomborrhina unicolor (lat.) = einfarbig
viridicincta, Tmesorrhina viridis (lat.) = grün; cinctus (lat.) = Gurt, gegurtet. Der gelblich-grüne Käfer hat einen dunkleren grünen Außenrand, er hat einen „grünen Gurt“ oder Gürtel.
viridis, Glycyphana gracilis viridis (lat.) = grün; gracilis (lat.) = schlank. Die Beschreibung trifft zu: ein kleiner, schmaler, grüner Rosenkäfer
vittatus, Hegemus vittatus (lat.) = mit einer Binde geschmückt. Dieser Hegemus ist gestreift. Bei Dicronorrhina conradtsi gibt es zwei Formen, eine einfarbige (forma lateralis) und eine mit gestreiften Flügeldecken: forma vittatus.