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Zurück zur Übersicht Dicronorhina conradtsi, L2: stark rötlich behaart und mit stumpfen Zangen – die Larven sind nicht räuberisch, ihre Behaarung dient der Abwehr von Fressfeinden. Die Haut hinter dem Kopf ist meist wulstig nach vorne gestülpt, was ihnen ein fettes und unbeholfenes Aussehen verleiht. Dennoch schaffen die Larven ein relativ hohes Tempo beim Kriechen.

Dicronorhina derbyana oberthuri: frisch geschlüpfte, unversehrte Käfer sind eine Augenweide – die Käfer funkeln wie ein geschliffener Edelstein. Leider ist das nur von kurzer Dauer bei diesen Raufbolden.

D. oberthueri Ein Blick in ein kleines Loch im Kokon genügt, um zu erkennen, dass es ein Weibchen ist. Abgesehen vom Kopfhorn der Männchen sind die Geschlechter an der Struktur ihres Brustschilds leicht zu unterscheiden: Das Brustschild der Männchen ist glänzend und glatt, während das der Weibchen eine gekörnte und fast matte Oberfläche hat.

Dicronorhina derbyana Dicronorhina derbyana derbyana :
Die meisten Käfer haben eine leuchtend grüne Färbung, das Foto zeigt die etwas seltenere rote Form (forma rufino ).

Kreuzung von D. derbyana derbyana mit D. derbyana conradtsi:
Während die Käfer im vorderen Teil die typische grün-weiße Färbung der ssp. derbyana besitzt, ist die Zeichnung der Deckflügel eindeutig die der ssp. conradtsi: braun-lila mit gelben Bändern. Diese Hybriden waren fortpflanzungsfähig. Nach der vierten Generation wurde das Experiment eingestellt. Ihre Färbung tendierte immer weiter zurück in Richtung der jeweiligen Nominatform.

Mehr zum Thema Hybriden bzw. Kreuzungen

 

D. derbyana conradtsi Dicronorhina derbyana conradtsi :
Diese Art aus Tansania wurde um 1995 als Rarität gehandelt, zumindest in der Zucht. Die ersten Larven, die damals erhältlich waren, haben 25 Mark pro Stück gekostet.
Die Färbung der Käfer ist normalerweise einfarbig dunkelbraun mit weißlich-gelben Bändern. Die Käfer auf dem Foto sind wesentlich farbenprächtiger, vermutlich hat ein blau gefärbter Dicronorhina carnifex in der Vergangenheit "mitgemischt". Die Käfer sind etwas zierlicher und nicht ganz so rustikal wie die anderen Dicronorhina derbyana Arten. Verschiedene Versuche, die Formen lateralis (einfarbige oder stark reduzierte Zeichnung auf den Flügeldecken) und vittata (mit ausgeprägter Zeichnung bzw. Binden) gezielt zu züchten, waren ohne Erfolg: wir haben ein Pärchen der Form/Variation vittata und ein Pärchen lateralis getrennt gezüchtet, um gezielt die eine oder andere Form zu erhalten. Resultat: Beide Zuchtansätze haben wieder gemischte Formen hervorgebracht. Somit ist die Ausprägung des Streifenmusters der Flügeldecken rein zufällig und sollte in nicht den Status einer definierten Form gehoben werden.

Dicronorhina derbyana conradtsi, forma lateralis : ein besonders hübsches Männchen mit blau schillerndem Halsschild, stark reduzierter Zeichnung, Flügel braun-lila. Bei dieser Fäbung kommt der Verdacht auf, ob da nicht die Gene eines Dicronorhina canifex dabei sind.



Auch die Gattung Dicronorhina unterlag einer Revision und die Arten wurden zusammen gefasst. Selbst in der Fachliteratur wurden die Bezeichnungen der Arten und Unterarten bunt gemischt und kombiniert. Man konnte nicht mehr mit Sicherheit sagen, welche Namenskombination einer Art korrekt war. Vor allem wurden von Allard eine Vielzahl an Bezeichnungen für Formen und Farbvariationen vergeben – das hat mehr zur Verwirrung beigetragen als zur Übersicht. Damit scheint nun Schluss zu sein, sofern diese Neuordnung Bestand hat. Dicronorhina besteht neuerdings nur noch aus den folgenden Arten

  • cavifrons (Westwood 1843)
  • derbyana derbyana (Westwood 1843)
  • derbyana carnifex (Harold 1878)
  • derbyana conradsi (Kolbe 1909)
  • derbyana lettowvorbecki (Kriesche 1920)
  • derbyana oberthueri (Deyrolle 1876)
  • micans (Drury 1773)

Die überwiegend aus dem südöstlichen Afrika stammenden Arten sind dankbare Zuchtobjekte. Die Käfer sind relativ groß, sehr vital und haben eine hohe Nachzuchtrate. Die Larven sind einfach zu halten, sie stellen keine ausgefallenen Ansprüche an das Substrat und sind daher bestens als "Einsteigermodelle" geeignet.

Larven
Dicronorhina sind genügsam und robust. Die nicht kannibalischen Larven können problemlos zusammen gehalten werden. Bei gemeinsamer Haltung muss ein ausreichend großer Zuchtbehälter mit der entsprechenden Menge Substrat bereitgestellt werden. Bei zu dichter Haltung (zu viele Larven auf zu engem Raum) werden auch die sonst recht friedlichen Gesellen aggressiv und reduzieren sich auf eine für ihre Ansprüche passende "Dichte". Ab L3 können die Larven vereinzelt werden, was meist etwas größere Käfer ergibt. Allerdings ist die Einzelhaltung wesentlich arbeitsintensiver. Die Larven werden im L3-Stadium erstaunlich groß und fett, sie benötigen daher viel Platz und genügend Substrat, mindestens 1 Liter Substrat pro Larve. Die schnell wachsenden Larven haben einen sehr hohen Nahrungsverbrauch und folglich einen starken Stoffwechsel. Daher ist regelmäßige Kontrolle und Erneuerung des Substrats dringend erforderlich. "Ausmisten und Füttern" – das bedeutet Entfernung des Kots und Erneuerung des Substrats bzw. des gefressenen Holzes. Eine Zugabe an extra Proteinen (z.B. Pferdemist) kann erfolgen, scheint bei Dicronorhina Arten zur Entwicklung nicht unbedingt nötig zu sein. Die Larven bevorzugen weiches, weißfaules und relativ fein gemahlenes Holz als Hauptnahrungsquelle. Jedoch ist eine Unterlage aus trockenem Waldboden (Laubhumus, Walderde, etc.) empfehlenswert, worin sich die Larven gerne aufhalten. Als Zusatzfutter können z.B. Salatblätter oder kleine Apfelstücke ins Substrat gegeben werden, die aber nicht immer gefressen werden. Der nicht gefressene Salat bewirkt, dass das lockere, holzhaltige Substrat viel schneller kompostiert, die Masse wird erdig und schwer.

Wegen ihrer Harmlosigkeit werden Dicronorhina Larven in der Zucht gerne auch als Futterlarven ("Lebendprotein") für räuberische Larvenanderer Käferarten, z.B. Goliathus, Amaurodes oder Chelorrhina eingesetzt. 

Die Robustheit der Larven zeigt auch dieses (unrühmliche) Beispiel: Nachdem die Käfer einer Generation gestorben waren und die L2-Larven ein paar Wochen später aus dem Terrarium gesammelt wurden, habe ich das alte Terrarien-Substrat in einen Kübel gefüllt und für Monate im Eck stehen lassen. Das Substrat wurde staubtrocken und extrem hart. Als ich es entsorgen wollte, fand ich noch vier schrumpelige, vertrocknete und fast nicht mehr bewegungsfähige L2-Larven darin. Das bedeutet, dass in dem Substrat wohl noch ein paar Eier waren, aus denen nicht rechtzeitig die Larven geschlüpft sind. Die völlig dehydrierten Larven wurden in frisches, feuchtes Substrat gesetzt, sie haben sich zu erstaunlich großen und vitalen L3 entwickelt.


Dicronorhina oberthueri Ein Männchen der oben beschriebenen "vernachlässigten Larven" ist geschlüpft. Den Kokon habe ich vorsichtig mit dem Fingernagel an der spitzen Seite angekratzt, denn dort ist auch die Vorderseite des Käfers. Sofort kam eine Reaktion aus dem Inneren des Kokons: ein kraftvolles, aggressives Stoßen mit dem Kopfhorn – typisch Dicronorhina. Der Käfer hat mitgeholfen, die recht stabile Kokonhülle vollends zu öffnen. Die Zeichnung frisch geschlüpfter Käfer auf den Flügeldecken und am Kopfhorn ist schneeweiß, diese Pigmentschicht wird jedoch schnell dunkler und verkratzt. Kein Wunder, die Käfer stecken meist kopfüber im Futter und es wird jede Gelegenheit für eine Prügelei wahrgenommen.

 

Käfer
Die Haltung der Käfer ist nicht schwierig, als Futter dient – wie immer – Banane oder Apfel. Besonders gerne wird Honigmelone angenommen. Die Käfer sind sehr vermehrungsfreudig und produzieren eine große Anzahl an Nachkommen. Die Weibchen benötigen zur Eiablage genügend Bodensubstrat, um sich tief genug eingraben zu können. Die sehr aktiven und kletterfreudigen Käfer liefern sich heftige Rivalenkämpfe, die manchmal zu Verletzungen führen. In Angriffposition senken die Männchen den Kopf, um eine bedrohliche Haltung anzunehmen. Oft werden andere Männchen und auch Weibchen von der Futterstelle durch kräftiges Schieben oder Stoßen mit dem Kopfhorn vertrieben. Selbst vor größeren Käfern haben die Dicronorhina Männchen keinen Respekt – sie greifen alles an und vertreiben jeden Rivalen von der Futterstelle oder vom Rastplatz, ohne Rücksicht auf Verluste. HOLM & MARAIS berichten, dass Dicronorhina derbyana Männchen in der Natur selbst gegen die wesentlich größeren Goliathus albosignathus antreten, um einen Futterplatz zu erobern oder zu verteidigen.


Dicronorhina und Mecynorhina In respektvollem Abstand dürfen die beiden fast doppelt so großen Mecynorhina oberthueri Männchen an der Melone mit fressen. Das Dicronorhina Männchen beansprucht zwei Drittel des Platzes für sich. Selten sitzen Käfer für längere Zeit friedlich beieinander, und wenn sie Dicronorhina heißen, dann ist Harmonie ein Fremdwort. Kurz nach dem Fotografieren hat sich die Formation aufgelöst – ein Käfer hat zu schieben begonnen, Dicronorhina hat die Herausforderung sofort angenommen und eine wilde Keilerei angezettelt. Sieger nach Punkten: Dicronorhina.

 

 

Kokons
Meist werden die beinahe hühnereigroßen Kokons mitten im Substrat angelegt. Kokons trocken oder minimal feucht halten und nicht durch schütteln stören. Das führt oft zu welligen Deckflügeln bis hin zu verkrüppelten Fehlentwicklungen. Kokons mit ausreichend Substrat bedeckt lagern (mindestens 5 cm eingraben), um völlige Austrocknung und Temperatur-schwankungen so weit wie möglich zu verhindern.


conradtsi kokon Ist die Zuchtbox aus transparentem Material und eine Larve "klebt" ihren Kokon an die Behälterwand, dann kann man
die Metamorphose miterleben. Links ist zu sehen, dass der Kokon eine gleichmäßig abgeflachte Öffnung hat – er war
an dieser Stelle an der Wand befestigt. Die Larve hat die Behälterwand zum Kokonbau genutzt, sie hat sich dadurch eine Menge Arbeit erspart und für den Betrachter ein Guckloch geschaffen.

Entwicklungsdauer
Von Larve bis zur Puppe/Kokon dauert es ca. 9 Monate – natürlich abhängig von der Beschaffenheit des Substrats und der Temperatur. Die Metamorphose im Kokon dauert etwa 2 bis 2,5 Monate. Die gesamte Generationsdauer beträgt also durchschnittlich 10-12 Monate, manchmal etwas länger. Die Käfersind relativ langlebig, im Durchschnitt etwa 4 Monate.